• Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size

Bericht über die Lage des altsprachlichen Unterrichts in Rheinland-Pfalz

Folie3Anlässlich der Mitgliederversammlung des DAV Rheinland-Pfalz am 4. November 2014 in Worms zog Ministerialrat Dr. Klaus Sundermann eine überwiegend positive Bilanz über die Situation der Alten Sprachen im Landesverband. Den vollständigen Bericht stellen wir Ihnen an dieser Stelle zur Verfügung:

1. Schülerzahlen

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die in Rheinland-Pfalz Latein lernen, ist nach seinem Rekordwert im Schuljahr 2010/11 weiter zurückgegangen. Im Vergleich zum Schuljahr 2011/12, dem Stand unserer letzten Mitgliederversammlung vor zwei Jahren, sind es etwa 2550 Lernende weniger (Wert vom Schuljahr 2013/14 – also dem letzten Schuljahr, aus dem die ausgewerteten Angaben vorliegen).

Aktuell lernen lt. Statistik 45.362 Schülerinnen und Schüler Latein an Gymnasien, Integrierten Gesamtschulen, Kollegs und Abendgymnasien, das sind 26%, gemessen an der Gesamtschülerzahl dieser Schularten.

Konzentrieren wir uns zunächst auf das Gymnasium: Dort hat die Schülerzahl ihren Zenit ebenfalls im Schuljahr 2010/11 überschritten und ist seitdem rückläufig.

Folie3

Im Gymnasium hatte die Zahl der Lateinlernenden im Schuljahr 2010/11 einen Anteil von 32,7% an der Gesamtschülerzahl. Der aktuelle Wert für 2013/14 beträgt 31,2%. Der Proporz Lateinschüler/Gesamtschülerzahl bewegt sich damit weiter auf einem respektablen Niveau; fast ein Drittel der gymnasialen Schülerschaft lernt in Rheinland-Pfalz Latein.

(Detail-Tabelle Schülerzahlen Latein)

Die Einzelanalyse der Schülerzahlen in den verschiedenen Sprachenfolgen und Unterrichtsangeboten zeigt, dass sich der Rückgang in allen Bildungsgängen der Sekundarstufe I widerspiegelt, also in Latein I, Latein II und Latein III, wobei man die absoluten Zahlen immer in dem Kontext sehen muss, dass analog auch die Gesamtschülerzahl Gymnasien gesunken ist. Umso erfreulicher ist es, dass die Schülerzahl für die Oberstufenkurse im Berichtszeitraum gestiegen ist, und zwar sowohl im Grundfach als auch im Leistungsfach.

Folie4

Folie5

Der Griechischunterricht hält sich in Rheinland-Pfalz stabil. Hier sind es in den einzelnen Bereichen ein paar weniger Schüler, im Grundkurs auch mal ein paar mehr; aber die Abweichungen gegenüber unserem Vergleichsjahr sind statistisch nicht signifikant. Diese Kontinuität ist, wie ich finde, durchaus erfreulich und bemerkenswert.

Folie6

Diese Folie zeigt, wie sich die Alten Sprachen in den Stellenwert der sieben Schulfremdsprachen am Gymnasium RP einordnen, immer bezogen auf das landesweite Schülerwahlverhalten. Der niedrigste Wert ist jeweils rot, der höchste grün unterlegt.

Hervorgehoben ist ferner das Schuljahr 2009/10 (gelb), als der Beginn der 2. Pflichtfremdsprache zum ersten Mal in Klassenstufe 6 erfolgte. Das Vorziehen, das den in Frage kommenden Sprachen einen zusätzlichen Jahrgang bescherte, machte sich durch einen Sprung nach oben in den Fächern Latein und Französisch, in abgeschwächter Form auch in Englisch, bemerkbar.

Dieser Schub wird sich wieder abbauen, vor allem im nächsten Jahr mit Blick darauf, dass eine Fortsetzung von Latein II in der Oberstufe (bis MSS 11) zum Erwerb des Latinums (jetzt am Ende von Kl. 10) nicht mehr erforderlich ist.

Parallel dazu geht auch das Französische wieder leicht zurück, Spanisch steigt weniger schnell als meist erwartet, Italienisch und Griechisch halten sich ohne größere Schwankungen relativ konstant, Russisch bricht immer mehr ein.

Insgesamt ist die Situation der Alten Sprachen am Gymnasium mit Blick auf Unterrichtsangebote und Sprachenwahl der Schüler, auch im Vergleich zu den anderen Fremdsprachen, ganz zufriedenstellend.

Folie7

Aus den Integrierten Gesamtschulen haben wir wieder Zuwächse in absoluten Zahlen zu verzeichnen: Gegenüber dem Stand von vor zwei Jahren ist die Zahl der Lateinlernenden um rund 250 auf über 2000 gestiegen – so viele wie noch nie. Allerdings steigt hier, bedingt durch den Ausbau dieser Schulart in der Folge der Schulstrukturreform, auch die Gesamtschülerzahl weiter leicht an. Immerhin hat sich auch der prozentuale Anteil des Lateinischen nach längeren Rückgängen wieder erhöht (aktuell 5,3%). Der größere Teil der im Aufbau befindlichen Gesamtschulen sieht in Latein offensichtlich einen gymnasialen Standard.

Das Lateinangebot an den Gesamtschulen beruht zu exakt 50% auf den Grundkursen der Oberstufe (Fortführung oder Neueinsetzen zum Einbringen der 2. Pflichtfremdsprache) und zu über 40% auf dem Wahlfach ab Klasse 6 (Latein II); dazu kommen freiwillige Angebote im AG-Bereich. Latein III wird so gut wie gar nicht eingerichtet; Leistungskurse kommen kaum zustande.

Latein wird auch im Zweiten Bildungsweg an den 4 Kollegs und 3 Abendgymnasien in Koblenz, Mainz, Neuerburg und Speyer gelehrt; hier haben 172 Kollegiaten Latein gewählt; dies entspricht einem Wert von 24%.

2. Leistungs- und Grundkurse

Folie8

Für meine Ausführungen zu den MSS-Kursen beschränke ich mich auf das letzte Schuljahr und zeige es Ihnen im Vergleich der Jahrgangsstufen. Die Zahlen betreffen das Gymnasium.

25,5% der Schülerinnen und Schüler in der MSS 11 haben einen Grundkurs Latein belegt, dazu 5,3% einen Leistungskurs. Nach der Jahrgangsstufe 11 reduziert sich die Zahl letztmalig wegen der Latinum-Qualifika­tion der Latein II-Kurse, diesmal von knapp 31 auf knapp 23% der Jahrgangsstufenschüler, die in 12 und 13 weiter Latein belegen.

Griechisch wurde in der MSS 11 von 0,7% aller Schüler gewählt. Die Zahlen in der Oberstufe bewegen sich insgesamt im üblichen Rahmen.

Folie9

Eingerichtet wurden in der Jahrgangsstufe 11 insgesamt 270 Latein-Grundkurse mit durchschnittlich 17-18 Teilnehmern sowie 91 Leistungskurse mit durchschnittlich 10-11 Schülerinnen und Schülern. Tendenzen: Mehr Kurse als vor zwei Jahren (Grundkurse 270/256, Leistungskurse 91/85) und im Schnitt etwas größere Schülerzahlen im Kurs.

In Griechisch saßen in der Jahrgangsstufe 11 in 14 Grund- und 11 Leistungskursen durchschnittlich 5-6 Schülerinnen und Schüler. Im Vergleich zu den Vorjahren sind die Zahlen nahezu unverändert.

3. Gymnasien mit altsprachlichem Profil

Jetzt ein Blick auf die Schulen mit altsprachlichem Profil.

Folie10

Folie11

Folie12

Latein als 1. Fremdsprache wird an 23 Gymnasien in Rheinland-Pfalz angeboten, an allen in den folgenden drei Listen aufgeführten Schulen.

Griechisch wird an 19 Gymnasien unterrichtet, an allen Schulen der ersten zwei Tabellen. Dazu bilden sich erfreulicher Weise auch an einigen nicht-altsprachlichen Gymnasien Griechisch-Lern­gruppen im freiwilligen AG- und Grundkursbereich. Insgesamt weist die Statistik hier 78 Schülerinnen und Schüler aus.

Folie13

Die Verteilung der Gymnasien zeigt diese Karte…

Im Berichtszeitraum haben sich, was die Schulen mit altsprachlichem Profil betrifft, keine Änderungen ergeben. Dennoch gibt dieser Bereich Anlass zur Sorge.

Folie14

Die Messzahlregelungen für die 5. Klasse (28, demnächst 25), dann die höhere Messzahl ab Klasse 7 (30) und die zu treffende Differenzierung Griechisch/ Französisch in Klasse 8 (Messzahl 8), für die keine zusätzlichen LWS zugewiesen werden, führen inzwischen an den meisten Standorten zu jährlich wiederkehrenden Diskussionen um die Einrichtung dieses Zuges und seines Griechischangebots.

Das Zustandekommen dieses Zuges ist dort gewährleistet, wo durch strukturelle Begünstigungen, z. B. von Schulträgerseite, ein Fortbestand sichergestellt wird: Theresianum Mainz, Gymnasium Marienstatt, Regino-Gymnasium Prüm. Aufgrund solider Anmeldezahlen war auch die Einrichtung mindestens eines Zuges in Bad Kreuznach und Kaiserslautern bisher möglich.

An allen anderen Standorten, immerhin 7, gibt es immer mal wieder oder geradezu chronisch Probleme.

Die Sicherung des Fortbestands der altsprachlichen Züge ist somit eine der künftigen Herausforderungen, auf die ich gegen Ende meiner Ausführungen noch eingehen werde.

4. Lehrkräfte / Unterrichtsversorgung

Im Schuljahr 2013/14 gab es in Rheinland-Pfalz 802 Lehrkräfte mit der Lehrbefähigung Latein und 98 mit der Lehrbefähigung Griechisch. Die Zahl liegt für Latein um 149 und in Griechisch um 21 über dem Stand von vor zwei Jahren.

Damit hat sich die Personalsituation, die schon 2012 deutlich besser als in den Vorjahren war, weiter verbessert.

Latein gehört inzwischen nicht mehr zu den Mangelfächern; damit ist nach den Anstrengungen der zurückliegenden Jahre um die Sicherung des Unterrichtsangebots in diesem Fach eine deutliche und nachhaltige Entspannung eingetreten. Nach den Rückmeldungen der ADD ist zum einen die Unterrichtsversorgung gesichert, zum anderen sind die Einstellungsaussichten für Bewerber noch günstig. Eingeschränkt wird die Attraktivität in absehbarer Zeit, wenn das Zweitfach zu den im Überangebot befindlichen gehört (Bereich Gemeinschaftskunde) oder nur an wenigen Schulen unterrichtet wird (Griechisch). Herr Epp (ADD Trier) hat es so formuliert: Ich würde „Latein perspektivisch nicht zu den Mangelfächern zählen, es ist aber durchaus noch ein Fach mit Perspektiven“.

Die Bewerberzahlen und Einstellungen in Rheinland-Pfalz seit 2002 bieten dieses Bild.

Folie15

Die Zahlen bilden die beschriebene Situation ganz gut ab: Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber für Latein auf Planstellen und für den Vorbereitungsdienst hat sich gegenüber 2012 verdoppelt. Gleichzeitig ist die Zahl der für das Fach verfügbaren Planstellen die höchste im hier erfassten Zeitraum.

Folie16

In Griechisch, das im Pflichtbereich ja nur an den 19 altsprachlichen Gymnasien vertreten ist, standen auch in den vergangenen Jahren rechnerisch genügend Lehrkräfte zur Verfügung. Manchmal ergeben sich regionale Verteilungsprobleme, die letztlich in jedem Einzelfall geprüft und gelöst werden müssen.

Der geringe Einstellungsbedarf in Griechisch hat sich bisher nicht auf die Bewerbersituation ausgewirkt; es steht eine ausreichende Anzahl von Gräzisten bereit. Schön, dass 2013 je 5 von ihnen in den Vorbereitungsdienst und auf Planstellen eingestellt werden konnten. Man wird dennoch in der Studienberatung darauf hinweisen müssen, dass die Perspektiven für Griechisch begrenzt sind. Empfehlenswert ist daher eine Kombination aus zwei Fächern plus Griechisch, wobei Griechisch nicht unbedingt das Drittfach sein muss.

Folie17

Vielleicht erinnern sich einige von Ihnen an das Diagramm zur Altersstruktur der Latein-Lehrkräfte, das 2003/04 die anstehenden Probleme der Unterrichtsversorgung erkennen ließ und zur Nachqualifizierung über die Lehrgänge führte. Damals hatten wir – quasi in einer umgekehrten Gaußschen Kurve – eine hohe Zahl von älteren Lehrern ab 60, auf die eine zahlenmäßig schwache Gruppe der 45- bis 59-Jährigen folgte, mit Tiefststand im Altersbereich 50-54. Das hieß damals, dass für die anlaufende Pensionierungswelle in Latein anders als in den anderen Fächern deutlich zu wenig Nachrücker zur Verfügung standen.

Das aktuelle Diagramm spricht für sich: Bei den Lateinlehrenden liegen die Altersgruppen 55-59 Jahre und besonders ab 60 Jahre zahlenmäßig deutlich unter dem Durchschnitt, umgekehrt sind die Lehrkräfte im Alter von 45-54 Jahren im Fach Latein überrepräsentiert. Das heißt, ganz anders als vor 10 Jahren müssen wir auch längerfristig keine Lücken durch Pensionierungen fürchten.

Für die Jüngeren gleicht sich die Verteilung in Latein dem Durchschnitt aller Fächer an: Ein Viertel der Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasium und IGS ist nicht älter als 35. Sie können an dieser Alterskurve also auch ablesen, dass wir in Rheinland-Pfalz insgesamt über eine vergleichsweise junge Lehrerschaft verfügen.

5. „Latein plus“ / Fortbildungsprojekte

Das Schulprojekt „Latein plus“ ermöglicht Schulen mit einem Latein I-Angebot, einen 3-stündigen Englischunterricht ab Klasse 5 einzurichten, der parallel zum 5-stündigen Lateinunterricht einsetzt und an die integrierte Fremdsprachenarbeit Englisch an Grundschulen anknüpfen kann. „Latein plus“ ist seit 2005 Regelangebot; von den 23 Schulen, die dieses Modell wählen können - ich habe sie vorhin genannt -, haben es inzwischen 15 umgesetzt. Die Zahl hat sich nicht verändert.

Ich hatte vor zwei Jahren ausführlich über die Entwicklung der landeszentralen Projektarbeit „Latein plus“ berichtet. Wir haben schrittweise die Ergebnisse der fächerverbindenden Zusammenarbeit zwischen den Sprachen in Fortbildungsangeboten zur Verfügung gestellt und weiterentwickelt. Dabei waren wir auch auf Foren außerhalb der rheinland-pfälzischen Landesgrenzen präsent und haben mit mehreren Universitäten zusammengearbeitet.

Ich knüpfe jetzt mit Blick auf den Berichtszeitraum an den Stand Ende

2012 an. Damals hatte ich auf die Fortbildungsreihe „Ansätze eines vernetzten Sprachunterrichts am Gymnasium“ hingewiesen, deren erste Veranstaltung Ende Oktober 2012 in Boppard mit dem Schwerpunkt Sprache und dem Titel „Sprachen vernetzen – Synergien nutzen“ gerade stattgefunden hatte.

Folie18

Die Veranstaltungen sind in Kooperation mit dem Pädagogischen Landesinstitut und unter der engagierten Betreuung von Sabine Paffenholz wie geplant in den folgenden 1½ Jahren durchgeführt worden, und zwar zu den weiteren Schwerpunkten Literatur, inter- und transkulturelles Lernen und Vernetzung mit nichtsprachlichen Fächern. Sie sehen hier die Themenübersicht der Reihe.

Beteiligt waren alle sieben Schulfremdsprachen in Rheinland-Pfalz, d. h. Latein und Griechisch im Team mit den modernen Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Russisch, sowie das Fach Deutsch.

Im Organisationsteam haben für Latein Dr. Susanne Gippert und für Griechisch Prof. Tamara Choitz mitgewirkt und zahlreiche Themen ausgearbeitet und vorgetragen. Weitere Beiträge wurden eingebracht von Gereon Esch (Prüm), Dr. Tomas Lochman (Basel), Mareike Motz (Neustadt/Wied), Dr. Ricarda Müller (Bad Kreuznach), Prof. Peter Riemer (Saarbrücken) und Kurt Roeske (Mainz).

Die Fortbildungsreihe sollte vor allem dazu anregen, gemeinsam Sprachenprofile an Schulen zu gestalten und die Pluralität des Sprachenangebots gemeinsam zu sichern. Der Abschluss der Veranstaltungen sollte zugleich Anstoß dazu sein, sich im eigenen Verantwortungsbereich weiter mit der ihnen zugrunde liegenden Konzeption zu beschäftigen. Mit Blick auf Nachhaltigkeit haben wir

  1. die Regionalen Fachberaterinnen und Fachberater gebeten, die Ergebnisse den Fachkonferenzen zu vermitteln („Beratungsschwerpunkt“)
  2. Unterstützung bei der Umsetzung in Schulen angeboten; aktuell freuen wir uns auf eine Initiative des Fachkollegiums am Gymnasium am Kaiserdom Speyer
  3. die Ergebnisse auf dem DAV-Kongress in Innsbruck im April 2014 einem größeren Publikum vorgestellt
  4. die Herausgabe einer entsprechenden Handreichung in den Blick genommen. Da die Reihe im Kontext der Weiterentwicklung von „Latein plus“ Rheinland-Pfalz steht und auch aus Projektmitteln finanziert wurde, wird diese Veröffentlichung als Handreichung „Latein plus“ Bd. 4 erscheinen, sicherlich frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2015

Ein weiterer Schwerpunkt in der Fortbildung, soweit sie vom MBWWK initiiert ist, betrifft den Bereich Latein IV, also die 5-stündigen Grundkurse für Realschulabsolventen in der Oberstufe. Auch hier kann ich nahtlos an unsere letzte Mitgliederversammlung 2012 anknüpfen, wo Hildegard Poschmann (Neuerburg) und Hans-Joachim Pütz (Rockenhausen) den Wunsch nach Überarbeitung der „Empfehlungen“ zu diesem Bildungsgang vorgetragen hatten.

Wir haben an den 44 Schulen, die diese Kurse anbieten (28 Gymnasien, 16 IGS), die eingesetzten Lehrwerke, die behandelten Autoren und den Fortbildungsbedarf abgefragt und dabei auch die Kollegs und Abendgymnasien einbezogen. Die Auswertung und zugleich die Vorbereitung eines Fortbildungsformats mit viel Raum für Erfahrungsaustausch hat eine Arbeitsgruppe aus den Fachberatern Latein sowie weiteren Kolleginnen und Kollegen aus Gymnasien, IGS und Kollegs übernommen; für den Impulsvortrag konnten wir Roland Frölich, für den Bereich binnendifferenzierte Arbeitsformate Tamara Choitz gewinnen.

Die Veranstaltung wird am 24./25. November 2014 in Speyer stattfinden; ihre Ergebnisse sollen in die Überarbeitung und Ergänzung der Broschüre von 2004 eingehen.

Fast zeitgleich haben die Fachleiterinnen und Fachleiter unter Federführung von Dr. Tilmann Jorde ein Fortbildungsangebot ausgearbeitet, in dem es um die besondere Situation des Latein III-Unterrichts geht, also des fakultativen Fachs ab Klasse 9 (im G8GTS Wahlpflichtfach ab Klasse 8). Die Veranstaltung wird am 5. Februar 2015 in Boppard stattfinden.

6. Rechtsgrundlagen / Publikationen

Mit Beginn des Schuljahres 2012/2013 ist der neue Lehrplan Griechisch für die Sekundarstufe I in Kraft getreten; auch diesen habe ich letztes Mal ausführlich vorgestellt.

Folie19

Heute bleibt nachzutragen, dass die Druckversion des Lehrplans im Januar 2013 erschienen ist und an alle Gymnasien – nicht nur diejenigen mit Griechischangebot – versandt wurde. Grundsätzlich besteht ja die Möglichkeit, dass auch ein fakultatives Fach Griechisch an nicht-alt­sprachlichen Schulen eingerichtet werden kann.

Die im Rahmen dieses Lehrplans angeregte – nicht obligatorische – Beschäftigung mit Archäologie hat durch entsprechende Angebote von Prof. Tamara Choitz und Dr. Patrick Schollmeyer (JGU Mainz) die aktuelle Fortbildung in Griechisch akzentuiert, die sich damit auf den neuen Lehrplan bezieht und immer noch Platz hat für spät Entschlossene; nächster Termin ist der 3. Dezember 2014 in Mainz.

Jetzt wie immer der Überblick über die wichtigsten Rechtsgrundlagen für die Alten Sprachen.

folie20

folie21

folie22

folie23

Sie sehen an dieser Übersicht, dass die Grundlagen in Latein und Griechisch fast durchgängig neugefasst sind, nahezu alle in den letzten 10 Jahren. Die ältesten Vorgaben sind jetzt die Oberstufenlehrpläne von 1998.

Die wesentlichen Rechtsgrundlagen finden Sie auf der Homepage der Gymnasialabteilung des MBWWK unter www.gymnasium.bildung-rp.de.

2013 haben wir drei Publikationen herausgegeben, von denen ich Ihnen die erste, den neuen Lehrplan Griechisch, schon vorgestellt habe.

folie24

Im Dezember 2013 ist die Handreichung Latein plus Bd. 3 erschienen, in Fortsetzung der ersten, vom damaligen Pädagogischen Zentrum Bad Kreuznach gedruckten Bände und im neuen Design des MBWWK. Nach der Dokumentation des Projekts (Bd. 1, 2006) und den Materialien (Bd. 2, 2008) trägt der neue Band den Titel „Didaktische Ansätze“ und enthält Beiträge von Damen und Herren, die unser Schulprojekt und die daraus entwickelten Fortbildungen begleitet haben: Wolfgang Hallet (Univ. Gießen), Stefan Kipf (Humboldt-Univ. Berlin), Annina Sass (Univ. Bremen), Tamara Choitz (Univ. Mainz) und Johannes Müller-Lancé (Univ. Mannheim). Dabei vertreten Herr Hallet und Frau Sass die Didaktik des Englischen, Herr Kipf und Frau Choitz bekanntlich die Didaktik der Alten Sprachen und Herr Müller-Lancé die der romanischen Sprachen.

folie25

„Innovative Verknüpfungsmöglichkeiten der beiden Schulfremdsprachen Latein und Englisch aus der Sicht von Forschung und Schulpraxis“ – so der Klappentext – zeigen die Beiträge dieses Studienbuchs zum Projekt ELiK (Englisch und Latein in Kooperation) von Stefan Kipf und Sabine Doff (Univ. Bremen), das ebenfalls 2013 erschienen ist. Darin finden Sie auch einen Aufsatz zum Schulprojekt „Latein plus“ Rheinland-Pfalz.

Schließlich ist im Dezember 2013 die Broschüre zu den drei Weiterbildungslehrgängen Latein in Rheinland-Pfalz (2005-2011) erschienen; der Band wurde nicht nur allen Gymnasien und IGS, sondern auch jedem Lehrgangsteilnehmer persönlich und natürlich dem Dozententeam zugeschickt.

7. Wettbewerbe

Lassen Sie mich mit Blick auf die fortgeschrittene Zeit zu den Wettbewerben nur kurz anmerken: Sowohl die Sparte Latein und Altgriechisch im Bundeswettbewerb Fremdsprachen als auch der Landeswettbewerb Alte Sprachen / Certamen Rheno-Palatinum erfreuen sich großer Beliebtheit.

Im Bundeswettbewerb Fremdsprachen hat es vorhersehbare Proteste wegen der neuen Zuordnung der Klassenstufe 10 zum zwei- oder mehrsprachigen Oberstufenwettbewerb und anderer konzeptioneller Veränderungen gegeben. Wir sind – auch in Abstimmung mit den anderen Ländern – mit dem Veranstalter in der Diskussion; hier wird es sicher Nachbesserungen geben. Bis auf weiteres haben wir in Rheinland-Pfalz eine eigene Übergangsregelung getroffen, die den Schulen gestern per Dienstmail mitgeteilt wurde.

Die diesjährigen Preisfeiern auf Landesebene in Kaiserslautern für das Certamen und am Regino-Gymnasium Prüm für den Bundeswettbewerb waren beeindruckende Festveranstaltungen, die das Potenzial unserer Schülerinnen und Schüler in den Alten Sprachen überzeugend dokumentierten.

Die Wettbewerbsteams unter den Landeswettbewerbsleitern Jochen Müller vom Gymnasium Nieder-Olm und Dr. Hartmut Wilms vom Emanuel-Felke-Gymnasium Bad Sobernheim leisten hervorragende Arbeit. Darüber wird später noch berichtet werden.

8. Ausblick

Meine Damen und Herren, obwohl wir nach meiner Einschätzung eine positive Bilanz ziehen und mit der Situation der Alten Sprachen in Rheinland-Pfalz zufrieden sein können, möchte ich jetzt deutlich drei Probleme – oder nennen wir es lieber Herausforderungen – ansprechen, die auf uns zukommen werden. Wir haben in der Vergangenheit gut daran getan, uns auf sich abzeichnende Herausforderungen vorzubereiten.

Gemäß den Gesetzen der Rhetorik nenne ich zuerst die größte und dann im Zuge einer Antiklimax die etwas leichter anzugehenden „Herausforderungen“.

Wie eingangs bereits ausgeführt, ist der Fortbestand der altsprachlichen Züge an etwa der Hälfte der betreffenden Schulen Gegenstand wiederkehrender Diskussionen.

Ungünstig wirkt sich offenbar das Vorziehen der 2. Pflichtfremdsprache aus, das in der Konsequenz bedeutet, dass der nur ein Jahr spätere Beginn mit Latein in Kl. 6 am G9 zum selben Zeitpunkt wie Latein I ab Kl. 5 zum Latinum führt, nämlich am Ende von Kl. 10.

Die in Kl. 5 ausbleibenden Lateinschüler gehen daher dem Fach in der Regel nicht verloren, sondern steigen in Kl. 6 ein. Aber dieser kleine „Dreher“ zwischen 1. und 2. Pflichtfremdsprache bedeutet das Aus für Griechisch als 3. Pflichtfremdsprache – und genau dort bricht uns das altsprachliche Schulprofil weg.

Die Abschaffung eines altsprachlichen Zuges infolge kleiner Lerngruppen, deren Einrichtung entweder auf Kosten erhöhter Zahlen in den Parallelzügen oder -kursen oder um den Preis komplizierter Stundenplananpassungen (in „Mischklassen“) geschieht, ist kein Tabu. Wenn Messzahlen mehrmals in Folge nicht erreicht werden, entscheidet letztlich die Schulgemeinschaft.

Das bedeutet weiter, dass die zu leistende Überzeugungsarbeit zuerst das Kollegium in den Blick nehmen muss. Unsere Initiativen zur Vernetzung von Sprachunterricht sollen ein Bewusstsein dafür schaffen, Sprachenprofile gemeinsam zu gestalten und die Pluralität des Angebots an alten und modernen Sprachen als ein Potenzial zu begreifen, für dessen Erhalt man sich gemeinsam in der Öffentlichkeitsarbeit und im Werben um Anmeldungen stark macht.

Erst auf dem Boden eines solchen zumindest mehrheitlichen Konsenses können die Optionen des Werbens gegenüber Eltern effektiv genutzt werden. Dass der Schulleitung in diesen Prozessen der Meinungs- und Konsensbildung eine zentrale Verantwortung zukommt, versteht sich.

Wir werden chronisch geringe Anmeldezahlen und Lerngruppengrößen nicht durch schulaufsichtliche Interventionen und Ausnahmeregelungen in den Griff bekommen. Letzten Endes gilt: Nur wenn sich die unverminderte Attraktivität des altsprachlichen Unterrichts auch im Schülerwahlverhalten widerspiegelt, wird die Argumentation für seinen Erhalt überzeugen können.

Die Wahl von Latein wird im Bereich des fakultativen Unterrichts (G9) bzw. des Wahlpflichtfachs (G8GTS) dadurch ausgebremst, dass die Leistungsmessung durch klassische Klausurformate (die schriftliche Klassenarbeit) härter erscheint als in alternativen Angeboten der MINT-Fächer oder des neuen Fachs Kultur.

Ich bin davon überzeugt, dass wir uns für die Alten Sprachen mit den Formen der Leistungsmessung und mit intelligenten Prüfungsformaten beschäftigen müssen. Dabei geht es nicht darum, die Klassenarbeit abzuschaffen, Bewertungsmaßstäbe herabzusetzen oder Notengrenzen auszuweiten. Aber warum sollte es nicht möglich sein, eine in anderen Ländern sogar im Abiturprüfungsbereich angesiedelte Präsentationsprüfung zu entwickeln, die im fakultativen Unterricht und in meistens kleinen Lerngruppen durchgeführt werden und z.B. eine von zwei Klassenarbeiten ersetzen könnte?

Wir sind hier in unseren Überlegungen noch ganz am Anfang. In einem ersten Schritt wird die Leiterin der Gymnasialabteilung, Barbara Mathea, Vertreterinnen und Vertretern der sprachlichen Fächer am G8GTS zu einem Gespräch über dieses Thema einladen.

Mein letzter Punkt betrifft das Latinum, dessen Berechtigungswert schon lange überschätzt wird. Es wird Ihnen vermutlich nicht entgangen sein, dass Nordrhein-Westfalen beabsichtigt, die Latinumspflicht für alle Lehramtsstudiengänge (mit Ausnahme von Latein und Griechisch selbst) aufzuheben.

Dieser Schritt ist gar nicht so sensationell, wenn man bedenkt, dass die Mehrheit der Länder diese Verpflichtung ohnehin nicht mehr vorsieht. Es wird wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis die bestehende Regelung auch in Rheinland-Pfalz gelockert wird, zumal entsprechende Ansätze von Hochschullehrern vorgetragen werden.

Die Werbung für die Lateinwahl sollte sich daher nicht mehr allzu sehr auf den Berechtigungscharakter des Latinums konzentrieren. Argumentationen wie: „Am besten an der Schule das Latinum machen, dann spart man sich nachher den Stress an der Uni“ sollten zurückgefahren werden. Es wird wieder mehr darum gehen müssen, den Bildungswert der Alten Sprachen, ihren genuinen Beitrag zur gymnasialen Bildung herauszuarbeiten.

Trotzdem wird man mit dem Zertifikat „Latinum“ wohl auch weiterhin beeindrucken können.

folie26

Eben dieses „trotzdem“ ist Gegenstand der Ausführungen auf der Online-Plattform „Unicum“ für Studierende vom August dieses Jahres. Wenn Sie mögen, machen Sie sich eher solche Argumentationsmuster zu eigen, auch wenn sie nicht wirklich neu sind. Ob der DAV die These „Latein wird wieder sexy“ übernehmen möchte, möge er selbst entscheiden.

So weit mein Bericht 2014 zur Lage der Alten Sprachen in Rheinland-Pfalz, wie immer mit einem Rückblick auf das in den letzten zwei Jahren Geleistete, und diesmal auch mit einem Ausblick auf aktuelle Herausforderungen, die es zeitnah, vorrangig und gemeinsam anzupacken gilt.

An dieser Stelle möchte ich dem Personenkreis danken, der qua functione besonders oft von mir in Anspruch genommen wird: den Regionalen Fachberaterinnen und Fachberatern Dr. Susanne Gippert und Michael Pahlke für Koblenz, Wolfgang Hofmann und Knut Reinartz für Neustadt und Peter Michels für Trier, alle für Latein, sowie Prof. Tamara Choitz landesweit für Griechisch. Sie alle werden übrigens am 20./21. November ihren Auftrag in der Abiturauswahlkommission wahrnehmen, unterstützt in beiden Sprachen von Jürgen Neutzling aus Speyer: eine Aufgabe mit hoher Verantwortung für die Gewährleistung landesweit gleicher Qualitätsstandards im dezentralen System.

Wir sind als Team in Rheinland-Pfalz gut aufgestellt. Ganz bewusst habe ich im Verlauf meiner Ausführungen schon viele Kolleginnen und Kollegen genannt, die sich in den unterschiedlichsten Formen in unsere Arbeit zugunsten der Alten Sprachen einbringen.

Bei allen Hürden struktureller Rahmenbedingungen, die man immer im Blick haben muss, und auch im Kontext des zunehmend aufwändigeren Ringens um Schülermotivation und Unterrichtsqualität meine ich sagen zu können, dass wir uns in Rheinland-Pfalz auch im Ländervergleich auf einer guten Grundlage bewegen.

Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen allen für Ihr fachliches und pädagogisches Engagement und freue mich auf unsere weitere Zusammenarbeit.