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Bericht über die Lage des altsprachlichen Unterrichts in Rheinland-Pfalz (Vortrag Worms, 07.11.2012)

Dr. Klaus Sundermann (Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur in RLP) informierte anlässlich der letzten Mitgliederversammlung des DAV RLP am 7.11.2012 in Worms über die Lage der Alten Sprachen im Bundesland. Lesen Sie hier seinen vollständigen Vortrag samt Präsentationsmaterialien (»hier zum Download):

1. Schülerzahlen

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die in Rheinland-Pfalz Latein lernen, hat nach unserem letzten Treffen im November 2010 zunächst noch einmal um etwa 500 zugelegt und im Schuljahr 2010/11 einen Rekordwert erreicht, ist aber im Schuljahr 2011/12 – also dem letzten Schul­jahr, aus dem uns die ausgewerteten Angaben vorliegen – wieder um rund 250 zurückgegangen.

Dies ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass zwar die Gesamtschülerzahl an Schulen, die zur Allgemeinen Hochschulreife führen, im Berichtszeitraum (also in den letzten zwei Jahren) um mehr als 10.000 zugenommen hat, dass aber dieser Zuwachs durch den Ausbau der Integrierten Gesamtschulen erfolgt ist. Die Gesamtschülerzahl am Gym­na­sium hat ihren Zenit im Schuljahr 2010/11 überschritten und ist seitdem rückläufig.

(Säulendiagramm Schülerzahlen )

Im Gymnasium hat also die Zahl der Lateinlernenden im Schuljahr 2010/11 seinen Höhepunkt erreicht mit einem Anteil von 32,7% an der Gesamtschülerzahl. Der aktuelle Wert für 2011/12 beträgt 32,6%. Der Proporz Lateinschüler/Gesamtschülerzahl ist also auf hohem Niveau fast konstant geblieben; nach wie vor lernt fast ein Drittel der gymnasialen Schülerschaft in Rheinland-Pfalz Latein.

(Detail-Tabelle Schülerzahlen Latein)

Die Einzelanalyse der Schülerzahlen in den verschiedenen Sprachenfolgen und Unterrichtsangeboten fällt unspektakulär aus und bestätigt den bisherigen Trend: Der größte Bereich, in dem für Latein mobilisiert wird, nämlich Latein als 2. Pflichtfremdsprache ab Klasse 6, hat immer noch zugenommen. Die leichten Rückgänge – analog zur Gesamtschülerzahl Gym­nasien – verteilen sich auf alle weiteren Angebote, also Latein 1, Latein 3 (fakultativ) und die Oberstufenkurse. Dabei liegt aber die Zahl der Leistungskursschüler noch über dem Wert von vor zwei Jahren: auch hier also eine erfreuliche Stabilität auf hoher Ebene.

(Detail-Tabelle Schülerzahlen Griechisch)

Der Griechischunterricht verzeichnet in der Summe seiner Schülerinnen und Schüler einen schönen Erfolg: Mit 990 haben wir fast die Vierstelligkeit erreicht und einen Rekord – in absoluten Zahlen – im gesamten Erhebungszeitraum seit 1995. Im Verhältnis zur Gesamtschülerzahl Gymnasium, die ja bis 2010 ständig gestiegen ist, bleiben wir allerdings mit 0,7% im üblichen Bereich.

In der Skala der 7 in Rheinland-Pfalz angebotenen Fremdsprachen liegt Griechisch damit auf Platz 6 nach Italienisch (1%) und vor Russisch (0,5%).

Insgesamt ist die Situation der Alten Sprachen am Gymnasium mit Blick auf Unterrichtsangebote und Sprachenwahl der Schüler, denke ich, ganz zufriedenstellend.

(Säulendiagramm IGS)

Auch an den Integrierten Gesamtschulen haben wir in absoluten Zahlen einen Rekordwert: Gegenüber dem Stand von vor zwei Jahren ist die Zahl der Lateinlernenden um knapp 200 auf rund 1700 gestiegen – so viele wie noch nie. Allerdings geht dieser Zuwachs fast unter im Anstieg der Gesamtschülerzahl IGS, von dem schon eingangs die Rede war, sodass der prozentuale Anteil weiter rückläufig ist und aktuell bei 4,7% liegt.

Das Lateinangebot an den Gesamtschulen beruht zu über 50% auf den Grundkursen der Oberstufe (Fortführung oder Neueinsetzen zum Einbringen der 2. Pflichtfremdsprache) und zu 40% auf dem Wahlfach ab Klasse 6 (Latein 2); dazu kommen freiwillige Angebote im AG-Bereich. Latein 3 wird nicht eingerichtet; Leistungskurse kommen aktuell offenbar nirgends zustande.

Latein wird auch im Zweiten Bildungsweg an den 4 Kollegs und 3 Abend­gymnasien in Koblenz, Mainz, Neuerburg und Speyer gelehrt; hier haben 196 Kollegiaten Latein gewählt; dies entspricht einem Wert von 27%.

(SPIEGEL-online)

An dieser Stelle zur Auflockerung zwischen allen Statistiken eine kleine Zwischenbemerkung:

Es ist immer wieder amüsant zu sehen, wie die seit Jahren wahrzunehmende Stärkung des Fachs Latein an der Schule in den Medien verarbeitet wird.

Vor knapp drei Monaten, am 17. August 2012, hat die Online-Redaktion des SPIEGEL einen Artikel zu Latein ins Netz gestellt. Überschrift: „Auferstanden von den Toten“.

Zur Erklärung des unbegreiflichen Latein-Booms – nach einer angeblichen Phase des „Siechtums“ – greift die ratlose Autorin einmal mehr auf Harry Potters latinisierende Zaubersprüche zurück, verlegt sich dann auf die Terminologie des Computer-Zeitalters – englisches Fachvokabular romanischen Ursprungs – und interviewt dazu einen Münsteraner Professor für Latinistik der Neu­­zeit. Dieser unterbreitet dann Vorschläge für eine Art Internet-Latein, weist aber im Folgenden wenigstens auch auf die formale Bildung durch Lateinunterricht hin.

Zotiger Weise wird noch ins Feld geführt, dass Angelina Jolie sich den Satz „Quod me nutrit me destruit“ hat unter den Bauch­nabel tätowieren lassen. Die Deutung dieses Tattoos mit durchaus ernstem Hintergrund hätte die Autorin in einer Ausgabe des eigenen Magazins vom Juni 2000 nachlesen können. Das, was sie daraus ableitet, nämlich ein Beleg für viele Fans der „toten Sprache“ im 21. Jahrhundert in Hollywood, ist es wohl kaum.

2. Leistungs- und Grundkurse

(Schülerzahlen in der MSS)

Für meine Ausführungen zu den MSS-Kursen beschränke ich mich auf das letzte Schuljahr und zeige es Ihnen im Vergleich der Jahrgangsstufen. Die Zahlen betreffen das Gymnasium.

25,3% der Schülerinnen und Schüler in der MSS 11 haben einen Grundkurs Latein belegt, dazu 3,9% einen Leistungskurs. Nach der Jahrgangs­stufe 11 reduziert sich die Zahl aktuell noch wie üblich wegen der Latinum-Qualifikation der Latein 2-Kurse, diesmal von knapp 30 auf knapp 25% der Jahrgangsstufenschüler, die in 12 und 13 weiter Latein belegen.

Griechisch wurde in der MSS 11 von 0,7% aller Schüler gewählt. Die Zahlen in der Oberstufe bewegen sich insgesamt im üblichen Rahmen

(Latein- und Griechisch-Kurse in der MSS)

Eingerichtet wurden in der Jahrgangsstufe 11 insgesamt 260 Latein-Grundkurse mit durchschnittlich 16-17 Teilnehmern sowie 85 Leistungskurse mit durchschnittlich knapp 8 Schülerinnen und Schülern. Tendenzen: Mehr Kurse als vor zwei Jahren (Grundkurse 260/248, Leistungskurse 85/83), dafür im Schnitt noch kleinere Schülerzahlen im Kurs.

In Griechisch saßen in der Jahrgangsstufe 11 in 15 Grund- und 12 Leistungskursen durchschnittlich 5 Schülerinnen und Schüler. Im Vergleich zu den Vorjahren sind die Zahlen nahezu unverändert.

3. Gymnasien mit altsprachlichem Profil

Jetzt ein Blick auf die Schulen mit altsprachlichem Profil.

(Liste altsprachliche Gymnasien – 3 Seiten)

Latein als 1. Fremdsprache wird an 23 Gymnasien in Rheinland-Pfalz angeboten, an allen in den folgenden drei Auflistungen aufgeführten Schulen.

Griechisch wird an 19 Gymnasien unterrichtet, an allen Schulen der ersten zwei Tabellen. Dazu bilden sich erfreulicher Weise auch an einigen nicht-altsprachlichen Gymnasien Griechisch-Lern­gruppen im freiwilligen AG- und Grundkursbereich. Insgesamt weist die Statistik hier 68 Schülerinnen und Schüler aus.

(geografische Verteilung altsprachliche Gymnasien)

Im Berichtszeitraum haben sich, was die Schulen mit altsprachlichem Profil betrifft, keine Änderungen ergeben. Die Verteilung der Gymnasien zeigt diese Karte.

4. Lehrkräfte / Unterrichtsversorgung

Im Schuljahr 2011/12 gab es in Rheinland-Pfalz 653 hauptamtliche bzw. hauptberufliche Lehrkräfte mit der Lehrbefähigung Latein und 77 mit der Lehrbefähigung Griechisch. Die Zahl liegt für Latein um 24 und in Griechisch um 2 über dem Stand von vor zwei Jahren.

Damit hat sich die Personalsituation, die schon 2010 deutlich besser als in den Vorjahren war, weiter verbessert.

Latein gehört aktuell noch zu den Bedarfsfächern; es steht für das Gymnasium nach Physik, Bildender Kunst und Mathematik auf Platz 4, gefolgt von Musik, Informatik und Chemie. Mittelfristig wird nach Einschätzung der Schulbehörde eine Entspannung eintreten. Nach kurzer Diskussion haben wir uns entschlossen, in der Informationsbroschüre zum Lehramtsstudium weiter für Latein zu werben.

Die Bewerberzahlen und Einstellungen in Rheinland-Pfalz seit 1995 bieten dieses Bild.

(Bewerbungen und Einstellungen – Latein)

Man kann daran im Wesentlichen ablesen, dass sich die Zahl der Bewerbungen für den Schuldienst in Latein immer noch auf niedrigem Stand befindet, während die Bewerbungen für den Vorbereitungsdienst bereits deutlich angestiegen sind; von 2010 auf 2011 haben sie sich sogar verdreifacht. Die Zahl der Einstellungen in den Vorbereitungsdienst bewegt sich auf Rekordniveau.

Für die Diskrepanz zwischen Bewerbungen und Einstellungen in den Schuldienst trotz Bedarfssituation gibt es eine Reihe von Gründen, die ich in den vergangenen Jahren am Beispiel des Schulaufsichtsbezirks Neustadt analysiert habe. Ich habe mir auch diesmal die Unterlagen von den Kollegen vorlegen lassen, kann aber, denke ich, auf die Details verzichten.

Grundsätzlich gilt, dass für die Statistik die zum 1. Februar und zum 1. August eines Jahres vorliegenden Bewerbungen zusammengezählt werden. Das heißt, dass alle zum früheren Termin nicht Eingestellten, die ihre Bewerbung aufrechterhalten, doppelt gezählt sind. Die große Mehrheit bewirbt sich inzwischen – mit Blick auf die Nachfrage – ausschließlich regional. Mehrfachbewerber, die sich für andere Bundesländer entscheiden, schränken die Kapazität weiter ein; oft stammen sie aus anderen Ländern und präferieren von vornherein die Heimatnähe.

(Bewerbungen und Einstellungen – Griechisch)

In Griechisch, das im Pflichtbereich ja nur an den 19 altsprachlichen Gymnasien vertreten ist, stehen rechnerisch genügend Lehrkräfte zur Verfügung. Manchmal ergeben sich regionale Verteilungsprobleme, die letztlich in jedem Einzelfall geprüft und gelöst werden müssen.

Der geringe Einstellungsbedarf in Griechisch hat sich bisher nicht auf die Bewerbersituation ausgewirkt; es steht eine mehr als ausreichende Anzahl von Gräzisten bereit, in den Vorbereitungsdienst wurden 2010 und 2011 je zwei übernommen. Man wird aber wohl in der Studienberatung darauf hinweisen müssen, dass die Perspektiven für Griechisch begrenzt sind. Empfehlenswert ist daher eine Kombination aus zwei Fächern plus Griechisch, wobei Griechisch nicht unbedingt das Drittfach sein muss.

Wie bereits vor zwei Jahren angekündigt, wurde die frühere Teildienststelle Landau zum 1. Februar 2011 als siebtes Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien in Rheinland-Pfalz eigenständig. Fachleiterin für Latein ist Bettina Pinks vom Eduard-Spranger-Gymnasium Landau.

5. Weiterbildungslehrgang Latein

Die Ausführungen zu den Weiterbildungslehrgängen Latein haben meine letzten Vorträge an dieser Stelle beträchtlich gefüllt; heute kann ich mich sehr kurz fassen.

Zum 31. Januar 2011 ging der dritte und letzte Weiterbildungslehrgang Latein zu Ende. Insgesamt haben 121 Kolleginnen und Kollegen die Unterrichtserlaubnis für Latein in der Sekundarstufe I erworben.

47 von ihnen, also mehr als ein Drittel, unterzogen sich nach einer mindestens halbjährigen, oft längeren Unterrichtspraxis in Latein einem Unterrichtsbesuch der ADD mit anschließendem Kolloquium und erwarben auf diesem Wege die Unterrichtsbefugnis, die sich nur dadurch unterscheidet, dass sie nicht widerrufen werden kann.

Im Berichtszeitraum fanden 19 entsprechende Besuche mit Kolloquium statt, und ich möchte nicht nur den erfolgreichen Damen und Herren zur Unterrichtsbefugnis gratulieren, sondern auch den Kolleginnen und Kollegen danken, die als Fachleiter oder Fachberater in Zusammenarbeit mit der Schulaufsicht die Durchführung dieses Verfahrens ermöglicht haben.

(Altersstruktur der Lehrkräfte 2012)

Vielleicht erinnern sich einige von Ihnen an das Diagramm zur Altersstruktur der Latein-Lehrkräfte, das 2003/04 die anstehenden Probleme der Unterrichtsversorgung erkennen ließ und zur Nachqualifizierung über die Lehrgänge führte. Damals hatten wir – quasi in einer umgekehrten Gaußschen Kurve – eine hohe Zahl von älteren Lehrern ab 60, auf die eine zahlenmäßig schwache Gruppe der 45- bis 59-Jährigen folgte, mit Tiefststand im Altersbereich 50-54. Das hieß damals, dass für die anlaufende Pensionierungswelle in Latein anders als in den anderen Fächern deutlich zu wenig Nachrücker zur Verfügung standen.

Diese Lücke haben wir ganz wesentlich durch die Weiterbildungslehrgänge, zum geringen Teil auch durch so genannte PES-Kräfte und vereinzelt durch Seiteneinsteiger, schließen können, ohne dass dadurch Einstellungsoptionen für künftige Vollausgebildete beeinträchtigt worden wären.

Das aktuelle Diagramm spricht für sich: Wir können in Latein die sukzessive bevorstehenden Pensionierungen gut auffangen und haben einen nahezu idealen Ausgleich der Altersgruppen bis 54 Jahre, der einen problemlosen Generationenwechsel im Fachunterricht erwarten lässt.

An der Alterskurve für die Lehrkräfte aller Fächer am Gymnasium können Sie übrigens ablesen, dass wir in Rheinland-Pfalz über eine relativ junge Lehrerschaft verfügen. Ministerin Ahnen hat in einer Presseerklärung vom 13. September 2012 unterstrichen, dass weit mehr Lehrkräfte als im bundesweiten Vergleich im Sekundarbereich I jünger als 40 Jahre sind (35,6 % gegenüber 24,7 %).

Trotz der beschriebenen anhaltenden Nachfrage und der damit verbundenen uneingeschränkten Studienempfehlung für Latein sind wir wohl aus der Krise herausgekommen.

So hat der Kollege Schnurr (ADD Neustadt) mir die bereits erwähnte Übersicht zur Einstellungssituation mit den Worten weitergeleitet: „M. E. haben sich die Bewerberengpässe im Fach Latein ein gutes Stück weit ‚entschärft‘. Aus der letzten Einstellungsrunde (Sommer 2012) sind mir keine größeren Probleme mit der Latein-Versorgung im Gedächtnis“.

Die jetzt abgeschlossenen Weiterbildungslehrgänge, deren Konzept übrigens über Rheinland-Pfalz hinaus auf Interesse gestoßen ist, haben damit einen wesentlichen Beitrag zur flächendeckenden Unterrichtsversorgung in Latein geleistet. Einige Früchte der 3 x 4 Blockseminare in den Jahren 2005-2011 werden zurzeit für die Drucklegung vorbereitet und Anfang 2013 an alle Gymnasien und Gesamtschulen und natürlich die Lehrgangsteilnehmer verschickt. Neben den Autoren haben sich Herr Meurer und Herr Dr. Schmude durch die redaktionelle Arbeit verdient gemacht.

6. „Latein plus“

Das Schulprojekt „Latein plus“ ermöglicht Schulen mit einem Latein 1-Angebot, einen 3-stündigen Englischunterricht ab Klasse 5 einzurichten, der parallel zum 5-stündigen Lateinunterricht einsetzt und an die integrierte Fremdsprachenarbeit Englisch an Grundschulen anknüpfen kann. Von den 23 Schulen, die dieses Modell wählen können - ich habe sie vorhin genannt -, haben es inzwischen 15 umgesetzt.

„Latein plus“ ist seit 2005 als Regelangebot eingeführt und längst in der Stundentafel verankert. Seine Ergebnisse sind in einer 2-bändigen Handreichung des Pädagogischen Zentrums, erschienen 2006 und 2008, dokumentiert. Außerdem hatten wir im Schuljahr 2007/08 Fortbildungen zur fächerverbindenden Zusammenarbeit für Lehrkräfte der Fächer Latein, Englisch und Deutsch aller Schulen durchgeführt. Sie wurden von universitärer Seite von Prof. Hallet (Anglistik, Universität Gießen) begleitet.

Vor drei Jahren stieß das „Latein plus“-Projekt Rheinland-Pfalz auf das Interesse universitärer Forschungen im Bereich der Mehrsprachigkeit und der didaktisch-methodischen Vernetzung des gymnasialen Fremdsprachenunterrichts. Über unsere Zusammenarbeit im Projekt „ELiK – Englisch- und Lateinunterricht in Kooperation“ mit der Universität Bremen (Anglistik, Frau Prof. Doff) und der Humboldt-Uni­versität Berlin (Latinistik, Prof. Kipf) habe ich letztes Mal berichtet.

Im Berichtszeitraum haben wir diese Zusammenarbeit konsequent fortgesetzt und erweitert. In einer Fortbildungsveranstaltung für Lehrkräfte unserer „Latein plus“-Schulen im Mai 2011 in Boppard trugen uns Annina Lenz (Universität Bremen) und Prof. Wolfgang Kofler (Universität Freiburg, jetzt Innsbruck) den Stand ihrer Forschungen vor. Herr Kofler hat beide Bände der „Latein plus“-Handreichungen im Anzeiger für Altertumswissen­schaf­ten der Universität Innsbruck rezensiert.

Auf einem interdisziplinären Kongress zum Projekt ELiK Anfang Juni 2011in Berlin haben im Gegenzug die Kolleginnen Prof. Tamara Choitz, Universität Mainz / Kurfürst-Salen­tin-Gymnasium Andernach, und Dr. Ute Mittelberg, Görres-Gymnasium Koblenz, das rheinland-pfälzische Schulprojekt vorgestellt. Daraufhin wurde auch eine Zusammenarbeit mit den Romanisten, namentlich Herrn Prof. Müller-Lancé (Universität Mannheim) vereinbart.

Seit Dezember 2011 hat ein Team aus Vertreterinnen und Vertretern aller 7 am Gymnasium unterrichteten Fremdsprachen das Konzept für eine Fortbildungsreihe „Ansätze eines vernetzten Sprachunterrichts am Gymnasium“ entworfen. Die erste Veranstaltung fand am 25./26. Oktober 2012 in Boppard unter dem Titel „Sprachen vernetzen – Synergien nutzen“ statt, mit zahlreichen Gastdozenten auch aus unseren Nachbarländern. Für die Alten Sprachen haben die Regionalen Fachberaterinnen Dr. Ricarda Müller, Dr. Susanne Gippert und Prof. Dr. Tamara Choitz mitgewirkt.

Die Ergebnisse dieser spannenden Kooperation, in der Latein und Griechisch im Team mit den modernen Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Russisch arbeiten, wollen wir in Auswahl zu dokumentieren versuchen. Weitere Veranstaltungen mit den Schwerpunkten Literaturrezeption, interkulturelles Lernen und Brücken zu nichtsprachlichen Fächern sind für 2013 und 2014 geplant. Bereits jetzt ist ein Band 3 der Reihe „Handreichungen zu Latein plus“ in Vorbereitung, der sich mit didaktischen Ansätzen eines vernetzten Sprachenlernens befasst und Beiträge von Tamara Choitz, Wolfgang Hallet, Wolfgang Kofler, Annina Lenz und Johannes Müller-Lancé enthalten wird.

7. Neue Rahmenvorgaben im Berichtszeitraum

Mit Beginn des Schuljahres 2012/2013 ist der neue Lehrplan Griechisch für die Sekundarstufe I in Kraft getreten. Er orientiert sich in seiner Struktur eng an dem 2009 erschienen Lehrplan Latein. Einige Beispiele:

  • Beschrieben wird die Lernausgangslage, d.h. der Lernstand nach vorausgegangenem Sprach- und Sachfachunterricht, auf den das als 3. Fremdsprache einsetzende Griechisch aufbauen kann.

  • Der Lehrplan gibt verbindliche Standards am Ende der Klassenstufen 8 und 10 vor.

  • Die Unterrichtsinhalte sind den Kompetenzen der Kernbereiche Spra­che, Text und Kultur zugeordnet, entsprechend der Struktur der EPA. Methodische und personale Kompetenzen sind in die Kompetenzbeschreibungen dieser Kernbereiche integriert.

  • Methodenoffenheit und Methodenvielfalt werden vorausgesetzt. Ziel des Unterrichts ist ein vertieftes Textverständnis.

  • Im Lehrgang Griechisch als 3. Pflichtfremdsprache setzt nach einer 2½-jährigen Lehrbuchphase in 10/2 in die Lektürephase ein. Gemäß der Graecumsvereinbarung der KMK wird Originallektüre gelesen.

  • Die Lektürephase kann durch eine Anfangslektüre eingeleitet werden. Verbindliche Autoren der Hauptlektüre sind entweder Platon oder Xenophon (Anabasis).

Der neue Lehrplan Griechisch enthält erstmals ein Curriculum für einen fakultativen Griechischunterricht am nicht-altsprachlichen Gymnasium ab Klasse 9. Die Einrichtung eines solchen Unterrichts ist seit jeher möglich, wurde aber, soweit ich weiß, kaum umgesetzt. Wir wollen grundsätzlich dazu ermutigen, insbesondere dort, wo ein altsprachliches Angebot am Standort oder in der Nahregion fehlt. Voraussetzungen sind natürlich eine Griechischlehrkraft vor Ort und eine ausgewogene und konsensfähige Differenzierung der fakultativen Angebote in Jahrgangsstufe 9.

Außerdem bietet der Lehrplan als Novum das Konzept einer Archäologie-AG, das mit wesentlicher Hilfe des Archäologen Dr. Patrick Schollmeyer, Universität Mainz, erstellt wurde. Die unverbindliche Anregung einer solchen Arbeitsgemeinschaft soll einen Weg zeigen, um das Profil eines altsprachlichen Gymnasiums oder Zuges abzurunden, seine öffentliche Wahrnehmung zu fördern und auch dem Exkursionsprogramm einer Studienfahrt nach Griechenland zuzuarbeiten, deren Umsetzung aus nachvollziehbaren Gründen immer schwieriger wird.

Im Frühjahr ist eine Fortbildung zum Thema Archäologie in Zusammenarbeit mit dem Pädagogischen Landesinstitut geplant.

Eingearbeitet in den Lehrplan sind Hinweise zur Anpassung für G8GTS. Am G8 beginnt die Lektüre in Jahrgangsstufe 10 und damit in der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe. Dies betrifft unter den 19 G8-Gymnasien zwei, nämlich das Gymnasium Theresianum Mainz und das Gymnasium der Zisterzienserabtei Marienstatt in ihrem altsprachlichen Zug.

Der Griechisch-Lehrplan ist momentan nur online abrufbar; die Drucklegung läuft, der Versand folgt kurz vor oder nach den Weihnachtsferien. Die Fachkonferenzleitungen für Griechisch wurden in Dienstbesprechungen in Mainz, Koblenz und Neustadt informiert. Den Kollegen der Fachdidaktischen Kommission, der ich auch selbst angehört habe, danke ich für die geleistete Arbeit: Es sind Dr. Stephan Flaucher (Kaiserslautern) als Vorsitzender, Prof. Dr. Tamara Choitz (Mainz/Andernach) und Georg Ehrmann (Pirmasens).

Im Sommer 2012 wurde das Rundschreiben zur Abiturprüfungsordnung überarbeitet, diesmal auch in den fachspezifischen Hinweisen für Latein und Griechisch. Neben Präzisierungen, die zum Teil auf Anregungen von Kollegen zurückgingen, und kleineren Modifikationen wurden vor allem die zulässigen Autoren für das schriftliche Abitur aufgelistet.

Ebenfalls zum Beginn dieses Schuljahres trat die neue Verwaltungsvorschrift über die Zahl der benoteten Klassenarbeiten in Klasse 5 bis 10 in Kraft. Das Ergebnis für unsere Fächer kann man sich leicht merken: In sämtlichen Klassenstufen der Sekundarstufe I an Gymnasien und IGS, in denen Latein bzw. Griechisch unterrichtet wird, werden in diesen Fächern pro Schuljahr 4 Klassenarbeiten geschrieben.

Zuletzt ein Überblick über alle Rechtsgrundlagen für die Alten Sprachen.

(Rechtsgrundlagen – 4 Seiten)

Sie sehen an dieser Übersicht, dass die Grundlagen in Latein und Griechisch jetzt durchgängig neugefasst sind, nahezu alle in den Jahren ab 2005 (rot markiert). Die ältesten Vorgaben sind jetzt die Oberstufenlehrpläne von 1998.

Die wesentlichen Rechtsgrundlagen finden Sie auf der Homepage der Gymnasialabteilung des MBWWK unter www.gymnasium.bildung-rp.de.

Die Lehrplanarbeit für die Sekundarstufe I liegt inzwischen vollständig in der Verantwortung der Gymnasialabteilung, nachdem als letzte noch die Zuständigkeiten für Deutsch, Musik und Bildende Kunst zu uns gekommen sind. Im Bereich der alten und modernen Fremdsprachen unterstützt uns weiterhin meine Kollegin Barbara Challe, der ich für die technische Gestaltung dieser Präsentation danke.

In der Regionalen Fachberatung Latein wurde in der Nachfolge unseres Kollegen Günter Böckeler für den Bezirk Koblenz-Süd Herr Michael Pahlke vom Otto-Schott-Gymnasium Mainz-Gonsenheim berufen. Frau Dr. Ricarda Müller hat zum Beginn dieses Schuljahres die Fachleitung Deutsch am Studienseminar Bad Kreuznach übernommen; für ihre Nachfolge als Regionale Fachberaterin im Bezirk Pfalz läuft das schulfachliche Auswahlverfahren.

Ich danke Herrn Böckeler und Frau Dr. Müller für die umfassende geleistete Arbeit; Herrn Pahlke gratuliere an dieser Stelle nochmals zum neuen Amt.

8. Wettbewerbe

Lassen Sie mich mit Blick auf die fortgeschrittene Zeit zu den Wettbewer­ben nur kurz anmerken: Sowohl die Sparte Latein und Griechisch im Bun­­deswettbewerb Fremdsprachen als auch der Landeswettbewerb Alte Sprachen, das Certamen Rheno-Palatinum, erfreuen sich großer Beliebt­heit und stabiler Teilnehmerzahlen. Die diesjährigen Preisfeiern auf Landesebene am Gymnasium der Zisterzienserabtei Marienstatt für das Certamen und am Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium Neustadt für den Bundeswettbewerb waren beeindruckende Festveranstaltungen, die das Potenzial unserer Schülerinnen und Schüler in den Alten Sprachen überzeugend dokumentierten.

Die Wettbewerbsteams unter den Landeswettbewerbsleitern Jochen Mül­ler vom Gymnasium Nieder-Olm und Dr. Hartmut Wilms vom Emanuel-Felke-Gymnasium Bad Sobernheim leisten hervorragende Arbeit. Darüber wird später noch berichtet werden.

Meine Damen und Herren, so weit der Bericht 2012 zur Lage der Alten Sprachen. Von meiner Seite ziehe ich das Fazit, dass wir gut aufgestellt sind in Rheinland-Pfalz. Meine Anerkennung und mein Dank gelten zunächst Ihnen allen für Ihre fachliche und pädagogische Arbeit im Unterricht.

Darüber hinaus danke ich denjenigen, die in vielfältigster Weise in der Fachberatung, in der Ausbildung an den Studienseminaren und Universitäten, in der Fort- und Weiterbildung, in der Wettbewerbsorganisation und auch in der Verbandsarbeit engagierten und kompetenten Einsatz für unsere Fächer zeigen. Ich freue mich auf unsere weitere Zusammenarbeit.