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Die Weiterbildungslehrgänge Latein 1 – 3 in Rheinland-Pfalz

Unter der Leitung von Herrn Ministerialrat Dr. Klaus Sundermann wurde die Einrichtung des ersten Weiterbildungslehrgangs Latein von Seiten des Bildungsministeriums in Zusammenarbeit mit dem staatl. Fortbildungsinstitut IFB initiiert und mit einer Laufzeit vom 1. Februar 2005 bis zum 31. Januar 2007 konzipiert. Die Fachleiter der Studienseminare, Fachberater, Schulleiter und engagierten Fachkolleginnen und -kollegen, dazu Herr Prof. Ulrich Eigler - trotz seines Wechsels von der Universität Trier nach Zürich -, und pensionierte Kollegen haben keine Zeit und Mühe gescheut, die erhebliche Zusatzbelastung dieser Weiterbildungsmaßnahme auf sich zu nehmen.

Ein ganz wichtiger Aspekt ist hierbei, dass Initiative, Konzeption und Durchführung des Weiterbildungslehrgangs von Anfang an mit dem Vorstand des Deutschen Altphilologenverbandes Rheinland-Pfalz abgestimmt waren; vom Vorstand waren neben dem ersten Vorsitzenden des Landesverbandes Rheinland-Pfalz drei weitere Mitglieder im Team des Weiterbildungslehrgangs.

Im oben genannten Zeitraum wurden 59 Lehrkräfte der verschiedensten Fächer ausgebildet, wobei die Zulassungsvoraussetzung das Latinum war. Diese Teilnehmer kamen alle – maximal zwei pro Schule – von den Gymnasien und Gesamtschulen, an denen eine Bedarfssituation im Fach Latein gemeldet wurde. Sie haben unter hohem Arbeitseinsatz vier dreitägige Blockseminare zu Caesar, Ovid, Cicero und Vergil absolviert, die jeweils am IFB in Boppard stattfanden.

Zur Aufarbeitung und Festigung dieser Blockseminare einerseits, aber auch um die Teilnehmer in methodisch-didaktischen Fragen für die unterrichtliche Arbeit mit lateinischen Lehrbüchern zu stärken, wurden diese in 6 Regionalen Arbeitsgemeinschaften (Bad Kreuznach, Kaiserslautern, Koblenz, Neuwied, Speyer, Trier) in 14-tägigen Nachmittagssitzungen – insgesamt 28 an der Zahl - ausgebildet und betreut sowie in der zweiten Phase durch Fachleiter und Fachberater im Unterricht besucht. Dabei wurde das lateinische Lehrwerk „Lumina“ mit einer doppelten Zielrichtung komplett durchgearbeitet. Auf der einen Seite sollten dadurch die Lateinkenntnisse der Lehrgangsteilnehmer wieder aufgefrischt, auf der anderen Seite sollte vor allem an der methodisch-didaktischen Aufbereitung grammatischer Phänomene für den Unterricht gearbeitet werden. Weiterhin standen in den AG-Sitzungen im Hinblick auf die Abschlussprüfung im Januar 2007 deutsch-lateinische Übersetzungen sowie die Autorenlektüre anhand von ausgewählten Caesar- und Vergiltexten mit Übungen zur Metrik im Mittelpunkt.

Der Stellenwert des Weiterbildungslehrgangs Latein wird besonders dadurch deutlich, dass Frau Ministerin Ahnen einem zweiten Durchgang mit der Laufzeit 01.02.2007 bis zum 31.01.2009 zugestimmt hat, in dem nahezu 40 weitere Lehrkräfte der verschiedensten Fächer in den 3 Regionalen Arbeitsgemeinschaften Bad Kreuznach, Kaiserslautern und Koblenz ausgebildet wurden.

Obwohl ursprünglich keine weitere Weiterbildungsmaßnahme avisiert war, wurde vor dem Hintergrund des immer noch dringenden Bedarfs an Lateinlehrkräften an vielen Schulen in Rheinland-Pfalz ein von Februar 2009 bis Januar 2011 dauernder dritter Weiterbildungslehrgang Latein eingerichtet. Etwa 40 Kolleginnen und Kollegen nehmen an diesem Lehrgang teil und haben ihre schriftlichen und mündlichen Abschlussprüfungen vor einigen Wochen im Januar 2011 zum überwiegenden Teil mit Erfolg abgelegt.

Das aktuelle Planungsteam der dritten Weiterbildungsmaßnahme setzt sich aus folgenden Personen zusammen:

Günter Böckeler, Bad Kreuznach
Stela Bogutovac, Ludwigshafen
Prof. Dr. Stephan Busch, Trier
Dr. Burkard Chwalek, Bingen
Roland Frölich, Kaiserslautern
Dr. Hartmut Froesch, Linz
Gerhard Gaberdan, Bad Breisig
Dr. Tilmann Jorde, Koblenz
Kornelia Lenzen, Cochem
Horst-Dieter Meurer, Neuwied
Dr. Klaus Sundermann, Mainz

Prüfungen und Zertifizierungen:

1. Zwischentest
Nach ca. einem Jahr finden eine lateinisch-deutsche (Caesar- oder leichter Cicerotext) und deutsch-lateinische (leichter Kunsttext) Zwischenklausur statt. In der 2. Blockveranstaltung und den regionalen Arbeitsgemeinschaften im ersten Jahr wird auf diese Klausuren vorbereitet. Die Klausuren werden in den regionalen Arbeitsgemeinschaften geschrieben. Durch diesen Test sollen Qualitätsstandards gesichert und Gelegenheit zur Selbsteinschätzung der Kandidatinnen und Kandidaten gegeben werden.

2. Abschlusstest
Der Abschlusstest orientiert sich an der universitären Zwischenprüfung. Er beinhaltet die Übersetzung eines Vergiltextes (kürzer als Abiturtexte) und die Übersetzung eines deutschen Kunsttextes auf mittlerem Niveau ins Lateinische. Bei der lat.-dt. Klausur soll ein Wörterbuch erlaubt werden; bei der dt.-lat. Klausur wird das Lernvokabular des Lehrwerkes Lumina vorausgesetzt, weitere Wörter werden angegeben. Der Abschlusstest gilt als bestanden, wenn jeder der beiden Teile mit mindestens ausreichend bewertet wird. Nachprüfungen in einem nicht bestandenen Teil sind zulässig.

Das Ziel des Lehrgangs ist zunächst der Erwerb der Unterrichtserlaubnis, später – nach Erfüllung entsprechender prüfungsrechtlicher Voraussetzungen - auch der Unterrichtbefugnis für die Sekundarstufe I. Es ist eine für das Erreichen eines hohen Ausbildungsstandards wesentliche Voraussetzung, dass hierbei das Niveau der universitären Zwischenprüfung zugrunde gelegt wird.

3. Unterrichtserlaubnis
Voraussetzung für die Zulassung zur mündlichen Prüfung für die Unterrichtserlaubnis ist das Bestehen des Abschlusstestes. Es erfolgt eine mündliche Prüfung im zeitlichen Umfang von 15 bis 20 Minuten über didaktische und methodische Fragen des Lateinunterrichts. Die Prüfung erfolgt vor einem Prüfungsausschuss. Nach bestandener Prüfung wird vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur die Unterrichtserlaubnis für die Sekundarstufe I erteilt; sie kann aus wichtigem Grund widerrufen werden.

4. Unterrichtsbefugnis

Voraussetzungen für die Erteilung der Unterrichtsbefugnis sind

  • ein über den Zeitraum von mindestens 6 Monaten erteilter Fachunterricht in Latein
  • ein erfolgreich verlaufener Unterrichtsbesuch mit anschließendem Kolloquium
  • die Teilnahme an zwei besonders ausgewiesenen Fortbildungsveranstaltungen

Die Unterrichtsbefugnis für die Sekundarstufe I wird vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur erteilt und ist unwiderruflich; sie begründet jedoch keinen Anspruch auf die Erteilung von Fachunterricht in Latein.

Um einen genaueren Eindruck über die Blockseminare zu ermöglichen, seien exemplarisch die Themen und Inhalte der 4 Blockseminare der zweiten Weiterbildungsmaßnahme beigefügt.

Horst-Dieter Meurer (Landeskoordinator)

2. Weiterbildungslehrgang Latein zum Erwerb der Unterrichtserlaubnis Sek I
- 1. Blockseminar (02.-04.05.2007) -

Mittwoch, 02.05.2007

bis 09.45 h Anreise
10.00 h Begrüßung, Organisatorisches (Sosna, Meurer)
10.15 h Vorlesung „Soldatisches Ethos und seine Propaganda in Caesars
Bellum Gallicum“ (Prof. Busch)
12.30 h Mittagessen und Zimmerbelegung
14.00 h 1. Teil des Textarbeit-Zirkels (2 parallele Gruppen)

  • Landung in Britannien ( Lenzen)
  • Critognatusrede (Dr. Jorde)

15.30 h Kaffeepause
16.00 h 2. Teil des Textarbeit-Zirkels (Tausch der Gruppen, wie oben)
17.30 h Gelegenheit zu Rückmeldungen im Plenum (Meurer)
18.00 h Abendessen und Gelegenheit zum geselligen Beisammensein

Donnerstag, 03.05.2007

09.00 h Vorlesung zum Thema Linguistik (Prof. Busch)
10.30 h Kaffeepause
10.45 h Zur Bedeutung des Fachs Latein in der Schule (Böckeler, Dr. Schmude)
12.00 h Mittagspause
14.00 h 1. Teil des Seminar-Zirkels (2 parallele Gruppen)

  • Wortschatzarbeit I (auch am PC) (Dr. Jorde)
  • Wortschatzarbeit II (Frölich)

15.30 h Kaffeepause
16.00 h 2. Teil des Seminar-Zirkels (Tausch der Gruppen, wie oben)
17.30 h Cäsar als Kameramann (Dr. Froesch)
18.00 h Abendessen
19.00 h Cäsar im Film (kurze Einführung Dr. Chwalek / Dr. Jorde)

Freitag, 04.05.2007

09.00 h Vorlesung zu Cäsar aus Sicht des Althistorikers (Prof. K. Brodersen)
10.30 h Kaffeepause
11.00 h Einführung in die Realienkunde (Schwinden)
12.30 h Ende der Veranstaltung

- 2. Blockseminar (26.-28.09.2007) -

Mittwoch, 26.09.2007

bis 09.15 h Anreise
09.30 h Begrüßung und Einführung in das Programm (Meurer)
09.45 h Einführung in Leben und Werk Ovids: „Interview mit Ovid“ (Loos)
10.15 h Ovids Metamorphosen als carmen perpetuum (Dr. Sundermann)
11.00 h Kaffeepause
11.15 h Poetische Kunst bei Ovid (Dr. Kirichenko)
12.30 h Mittagessen und Zimmerbelegung
14.15 h 1. Teil des Textarbeit-Zirkels (2 parallele Gruppen)

  • Lykische Bauern(Fuchs)
  • Apollo/Daphne(Gaberdan)

16.00 h Kaffeepause
16.30 h 2. Teil des Textarbeit-Zirkels (Tausch der Gruppen, wie oben)
18.15 h Ende des 1. Veranstaltungstages
18.30 h Abendessen und Gelegenheit zum geselligen Beisammensein

Donnerstag, 27.09.2007

09.00 h Lektüre mit metrischem Schwerpunkt anhand ausgewählter Texte aus
„Narcissus und Echo“ (3 Gruppen, regionale Arbeitsgemeinschaften)
10.30 h Kaffeepause
11.00 h Ovid als Erzähler am Beispiel von „Narcissus und Echo“ (Dr. Kirichenko)
12.45 h Mittagspause
14.15 h Text und Bild: Narciss und Pygmalion (Dr. Reinhardt/ Mühl)
15.45 h Kaffeepause
16.00 h Der Orpheus-Mythos und seine Rezeption (Dr. Froesch)
17.30 h Einführung in den Film Orfeu Negru (Dr. Froesch)
18.00 h Abendessen
19.00 h Film Orfeu Negru

Freitag, 28.09.2007

09.00 h Ovids Ars amatoria im Unterricht (Prof. N. Holzberg)
10.30 h Kaffeepause
11.00 h Mythologische Darstellung in der augusteischen Kunst (Prof. E. Simon)
12.30 h Rückmeldung
13.00 h Ende der Veranstaltung

- 3. Blockseminar (05.-07.05.08) -

Montag, 5. Mai 2008

bis 09.30 h Anreise
09.45 h Begrüßung und Einführung in das Programm
10.00 h Ciceros Leben und sein historischer Hintergrund (Dr. Pfeiffer)

11.15 h Cicero und die Rhetorik (Prof. Busch)
12.30 h Mittagessen und Zimmerbelegung
14.30 h Doppelzirkel-Textarbeit mit Texten aus der Zweiten Rede gegen Verres
2 Themen mit je 2 parallelen Gruppen: Thema 1: Bogutovac / Böckeler / Dr. Chwalek
Thema 2: Lenzen / Dr. Jorde / Dr. Froesch
16.15 h Kaffeepause
16.30 h 2. Teil des Doppelzirkels (Tausch der Gruppen, wie oben)
18.30 h Abendessen und Gelegenheit zum geselligen Beisammensein

Dienstag, 6. Mai 2008

09.00 h Die Sprache Ciceros (Prof. Busch)
10.30 h Kaffeepause
11.00 h Cicero als Literat (Prof. Busch)
12.30 h Mittagspause
14.00 h Workshops zu zwei Themen (1. Runde):
1. Lernzirkelarbeit im Lateinunterricht (Frölich)
2. res publica / res populi: Erstellen eines Tafelbilds zu einem Cicero-Text
(Dr. Froesch / Böckeler)
Gruppe I: Kaiserslautern / Koblenz
Gruppe II: Bad Kreuznach
15.30 h Kaffeepause
16.00–17.30 h Das Forum Romanum als politischer Raum (Prof. G. Ziethen)
18.00 h Abendessen
20.00 h Rhetorik – Antikes System und moderne Praxis – Das Format „Jugend debattiert“
(Dr. Schmude)

Mittwoch, 7. Mai 2008

09.00 h Workshops zu zwei Themen (2. Runde)
10.30 h Kaffeepause
11.00 h Die Bedeutung hellenistischer Philosophenschulen für das Denken der Neuzeit (Dr. Chwalek)
12.30 h Evaluation und Ausblick
13.00 h Mittagessen (nur für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Führung)
14.00 h Führung durch das römische Boppard (Dams-Rudersdorf; freiw. Teilnahme, Ende ca.16.00 h)
- 4. Blockseminar (17.-19.09.08) -

17.09.2008

10.00 bis 10.15 Uhr Begrüßung (Sosna, Meurer)

10.15 bis 11.15 Uhr Vorlesung: Einführung in augusteische Dichtung (Prof. Busch)

11.30 bis 12.30 Uhr Vorlesung: Einführung in Leben und Werk Vergils ( Prof. Busch)

12.30 bis 14.30 Uhr Mittagspause

14.30 bis 16.00 Uhr Doppelzirkel Textarbeit (2 Themen, 2 parallele Gruppen)

- Aeneas im Seesturm (Gaberdan, Lenzen)
- Fama (Böckeler, Dr. Chwalek)

16.00 bis 16.30 Uhr Pause

16.30 bis 18.30 Uhr Doppelzirkel Textarbeit (2 Themen, 2 parallele Gruppen)

- Aeneas im Seesturm (Gaberdan, Lenzen)
- Fama (Böckeler, Dr. Chwalek)

18.09.2008

09.00 bis 10.30 Uhr Von Homer zu Vergil, (Prof. Busch)

11.00 bis 12.30 Uhr Aeneas furens (Gaberdan)

12.30 bis 14.30 Uhr Mittagspause

14.30 bis 16.00 Uhr Workshops (Zweierzirkel)

- Offene Formen im Lateinunterricht (Frölich)
- Öffnende methodische Elemente im Lateinunterricht (Meurer)

16.00 bis 16.30 Uhr Pause

16.30 bis 18.00 Uhr Workshops (Zweierzirkel)

- Offene Formen im Lateinunterricht (Frölich)
- Öffnende methodische Elemente im Lateinunterricht
(Meurer)

18.00 bis 19.00 Uhr Abendessen

20.00 bis 21.30 Uhr Wandlungen eines Mythos – Dido und Aeneas als Sujet des
Musiktheaters
(Prof. H. Jung, Staatliche Hochschule für Musik und Kunst Mannheim)

19.09.2008

09.00 bis 10.15 Uhr Warum Aeneis und Aeneas? (Dr. Froesch)

10.30 bis 12.00 Uhr Ara Pacis (Prof. E. Simon)

12.00 bis 13.00 Uhr Diskussion, Fragestunde, Ausblick letzte Ausbildungsphase