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Der altsprachliche Unterricht in Rheinland-Pfalz: Bericht für 2014-2016

Folie01Vortrag vor der Mitgliederversammlung des Landesverbands Rheinland-Pfalz im Deutschen Altphilologenverband

Worms, Rudi-Stephan-Gymnasium

2. November 2016

Dr. Klaus Sundermann, Ministerium für Bildung

 

1. Schülerzahlen

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die in Rheinland-Pfalz Latein und Griechisch lernen, ist nach ihrem Rekordwert vor fünf Jahren stetig zurückgegangen. Im Vergleich zum Schuljahr 2013/14, dem Stand unserer letzten Mitgliederversammlung vor zwei Jahren, sind es knapp 4600 Lernende weniger (Wert vom Schuljahr 2015/16 – also dem letzten Schuljahr, aus dem die ausgewerteten Angaben vorliegen).

Aktuell lernen lt. Statistik 40.775 Schülerinnen und Schüler Latein an Gymnasien, Integrierten Gesamtschulen, Kollegs und Abendgymnasien, das sind 23,4%, gemessen an der Gesamtschülerzahl dieser Schularten.

Konzentrieren wir uns zunächst auf das Gymnasium: Dort hat die Schülerzahl ihren Zenit ebenfalls im Schuljahr 2010/11 überschritten und ist seitdem rückläufig.

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(Folie 3: Säulendiagramm Schülerzahlen Latein GY)

Im Gymnasium hatte die Zahl der Lateinlernenden im Schuljahr 2013/14 einen Anteil von 31,2% an der Gesamtschülerzahl. Der aktuelle Wert für 2015/16 beträgt 28,0%. Damit ist in zwei Jahren eine Schülerkapazität von ziemlich genau 10% verlorengegangen, und manche Wahrnehmungen und Rückmeldungen aus den Schulen sprechen dafür, dass sich der Trend weiter fortsetzen wird.

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(Folie 4: Detail-Tabelle Schülerzahlen Latein GY)

Die Einzelanalyse der Schülerzahlen in den verschiedenen Sprachenfolgen und Unterrichtsangeboten zeigt, dass sich der Rückgang in allen Bildungsgängen der Sekundarstufe I widerspiegelt, also in Latein I, Latein II und Latein III, und auch in den Kursen der Oberstufe, wobei man die absoluten Zahlen immer in dem Kontext sehen muss, dass analog auch die Gesamtschülerzahl an den Gymnasien gesunken ist.

Der Rückblick über 10 Jahre hinweg zeigt, dass die aktuellen Zahlen (rechte Spalte) denen des Schuljahres 2006/07 (linke Spalte) am nächsten sind, mit Blick auf die Gesamtschülerzahl und den Lateinschüleranteil. Wenn man diese Gegenüberstellung durchspielt, zeigt sich:

  • Der größte Einbruch der letzten Dekade ist in Latein als 3. fakultative Fremdsprache erfolgt: -52,8%, d.h. Reduzierung um mehr als die Hälfte. Ungünstige Rahmenbedingungen wie Nachmittagsunterricht und vermehrte Konkurrenzangebote sprachlicher und nichtsprachlicher Fächer in Klasse 9 kommen als Ursachen infrage; wir haben dafür aber keine belastbaren Belege.
  • Ähnlich eklatant ist der Rückgang im Bereich der freiwilligen Grundkurse: -44,7%
    • Schließlich ist Latein I deutlich zurückgefallen: -9,6%
    • Der Wert der verpflichtenden Grundkurse (darunter Latein IV) ist fast unverändert (Abweichung <1% zugunsten der aktuellen Zahl).
    • Die Zahl im Leistungskurs liegt dagegen immer noch deutlich höher als vor 10 Jahren: +14,3%. Allerdings wird die weitere statistische Analyse zeigen, dass die Zahl der Einrichtungen von Kursen in MSS 11 im Vergleich zu 2014 deutlich zurückgegangen ist.
    • Immer noch recht stabil und um mehr als 20% höher als 2006 ist die Schülerzahl in Latein II.

Zusammenfassend kann man sagen, dass bei grundsätzlich rückläufigen Schülerzahlen in Latein der Bildungsgang Latein II – der mit Abstand größte Bereich – und der Leistungskurs die größte Stabilität aufweisen.

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(Folie 5: Detail-Tabelle Schülerzahlen Griechisch)

Der Griechischunterricht hält sich in Rheinland-Pfalz immer noch stabil. Die Gesamtzahl der Lernenden ist fast identisch mit der Zahl vor zwei Jahren; in den wichtigen Bereichen 3. Pflichtfremdsprache und Leistungskurs gibt es Zuwächse, die man freilich nicht überinterpretieren darf. Die Abweichungen sind insgesamt statistisch nicht signifikant. Diese Kontinuität hier in Rheinland-Pfalz ist ausgesprochen erfreulich.

Wir müssen uns allerdings gewahr sein, dass die Sicherung des Griechischen auf hohem Niveau an den altsprachlichen Bildungsgang gebunden und damit strukturell verknüpft ist mit Latein I. Der eben konstatierte Rückgang der Schülerzahlen in Latein I wird mittelfristig die Einrichtung von Griechisch in Klasse 8 erschweren und gefährden.

Über aktuelle und perspektivische Arbeitsschwerpunkte in der landesweiten Gremienarbeit für die Alten Sprachen werde ich später reden. Ich sage aber schon an dieser Stelle, dass wir uns nach vorläufigem bzw. weitgehendem Abschluss der zentral koordinierten Arbeit für Latein IV und für den vernetzten Sprachunterricht mit der Öffentlichkeitsarbeit für Griechisch beschäftigen werden.

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(Folie 6: Übersicht alle Schulfremdsprachen)

Diese Folie zeigt, wie sich die Alten Sprachen in den Stellenwert der sieben Schulfremdsprachen am Gymnasium in RP einordnen, immer bezogen auf das landesweite Schülerwahlverhalten. Der niedrigste Wert ist jeweils rot, der höchste grün unterlegt.

Hervorgehoben ist ferner das Schuljahr 2009/10 (gelb), als der Beginn der 2. Pflichtfremdsprache zum ersten Mal in Klassenstufe 6 erfolgte. Das Vorziehen, das den in Frage kommenden Sprachen einen zusätzlichen Jahrgang bescherte, machte sich durch einen Sprung nach oben in den Fächern Latein und Französisch bemerkbar.

Wie ich schon letztes Mal vorhergesagt habe, hat sich dieser Schub in beiden Sprachen wieder abgebaut, in Latein gravierender als in Französisch; aber für Französisch gab es auch nicht ein dem „Lateinboom“ vergleichbares Phänomen.

Für die dritten Fremdsprachen lässt sich ablesen: Spanisch steigt weniger schnell als meist erwartet, Italienisch und Griechisch halten sich ohne größere Schwankungen relativ konstant, Russisch hat sich nach seinem Niedergang wieder etwas gefangen.

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(Folie 7: Säulendiagramm Latein IGS)

Aus den Integrierten Gesamtschulen haben wir wieder Zuwächse in absoluten Zahlen zu verzeichnen: Gegenüber dem Stand von vor zwei Jahren ist die Zahl der Lateinlernenden um 660 auf über 2700 gestiegen – so viele wie noch nie. Zwar steigt hier, bedingt durch den Ausbau dieser Schulart in der Folge der Schulstrukturreform, auch die Gesamtschülerzahl weiter leicht an; aber auch der prozentuale Anteil des Lateinischen hat sich wiederum deutlich erhöht (aktuell 6,5%). Der größere Teil der im Aufbau befindlichen Gesamtschulen sieht in Latein offensichtlich einen gymnasialen Standard.

Das Lateinangebot an den Gesamtschulen beruht überhälftig (56,7%) auf den Grundkursen der Oberstufe (Fortführung oder Neueinsetzen zum Einbringen der 2. Pflichtfremdsprache) und zu 41% auf dem Wahlfach ab Klasse 6 (Latein II); dazu kommen freiwillige Angebote im AGBereich. Latein III wird so gut wie gar nicht eingerichtet; Leistungskurse kommen kaum zustande.

Wir haben damit in RP das gegenüber anderen Ländern atypische Ergebnis, dass die deutliche Mehrzahl der Lateinlernenden an den IGS in der Oberstufe sitzt.

Aus dem Gesamtbild an der IGS: kontinuierlicher Anstieg der Lateinschüler, eher zurückhaltende Einrichtung von Latein II-Angeboten im Wahlpflichtbereich der 6. Klassen – auch aus Ressourcengründen – und überproportionale Schülerzahlen in dem schwer zu unterrichtenden Bereich Latein IV ergibt sich eine Reihe von Konsequenzen, auf die ich später zurückkommen werde. Etwas platt kann man sagen – und das gilt nun wieder für fast alle Bundesländer: Wir müssen uns mehr als früher um die Lateinschülerklientel an den Gesamtschulen kümmern, und in RP sind wir mit mehreren Arbeitsschwerpunkten und Projekten auch schon auf dem Weg.

Latein wird auch im Zweiten Bildungsweg an den 4 Kollegs und 3 Abendgymnasien in Koblenz, Mainz, Neuerburg und Speyer gelehrt; hier haben 191 Kollegiaten Latein gewählt; dies entspricht einem Wert von 28%.

2. Leistungsund Grundkurse

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(Folie 8: Schülerzahlen in der MSS)

Für meine Ausführungen zu den MSS-Kursen beschränke ich mich auf das letzte Schuljahr und zeige es Ihnen im Vergleich der Jahrgangsstufen. Die Zahlen betreffen das Gymnasium.

Erstmals gibt es in dieser Übersicht jetzt die MSS 10 der inzwischen 21 G8GTS-Gymnasien. Zwei von ihnen haben einen altsprachlichen Zug: das Priv. Gymnasium Theresianum in Mainz und das Priv. Gymnasium der Zisterzienserabtei Marienstatt. In diesen Zügen mit Latein 1. FS wird das Latinum bei entsprechender Note am Ende der Klassenstufe 9 erworben.

Daraus ergibt sich, dass für das Mehrheitsmodell Latein II im G8GTS das Fach in der Jahrgangsstufe 10 fortgeführt werden muss, um das Latinum zu erlangen. Dies wiederum erklärt die deutlich höheren Prozentanteile der Lateinschüler in MSS 10 gegenüber den G9-Schülern in MSS 11.

Hier haben 13,9% der Schülerinnen und Schüler einen Grundkurs Latein belegt, dazu 3,2% einen Leistungskurs. Griechisch wurde in MSS 11 von 0,6% aller Schüler gewählt; die Zahlen aus MSS 10 muss man mitdenken. Insgesamt gilt auch hier: Latein im G9 rückläufig, Griechisch stabil.

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(Folie 9: Lateinund Griechisch-Kurse in der MSS)

Eingerichtet wurden in der Jahrgangsstufe 11 insgesamt 201 LateinGrundkurse mit durchschnittlich 12-13 Teilnehmern sowie 68 Leistungskurse mit durchschnittlich 8-9 Schülerinnen und Schülern. Tendenzen: deutlich weniger Kurse als vor zwei Jahren (damals 270 Grundkurse, 91 Leistungskurse) und kleinere Schülerzahlen im Kurs.

In Griechisch saßen in der Jahrgangsstufe 11 in 15 Grundund 10 Leistungskursen durchschnittlich 4-5 Schülerinnen und Schüler. Im Vergleich zu den Vorjahren haben sich die Zahlen nicht wesentlich verändert.

3. Gymnasien mit altsprachlichem Profil

Jetzt ein Blick auf die Schulen mit altsprachlichem Profil.

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(Folien 10-12: Liste altsprachliche Gymnasien)

Latein als 1. Fremdsprache wird an 22 Gymnasien in Rheinland-Pfalz angeboten, an allen in den folgenden drei Listen aufgeführten Schulen.

Griechisch wird an 19 Gymnasien unterrichtet, an allen Schulen der ersten zwei Tabellen. Dazu bilden sich erfreulicher Weise auch an einigen nicht-altsprachlichen Gymnasien Griechisch-Lerngruppen im freiwilligen AGund Grundkursbereich. Insgesamt weist die Statistik hier 69 Schülerinnen und Schüler aus.

Im Berichtszeitraum ist, was die Schulen mit altsprachlichem Profil betrifft, in der letzten Gruppe eine Schule ausgeschieden: Am Rhein-WiedGymnasium Neuwied wurde das Latein I-Angebot abgeschafft.

Aber auch an manchen Standorten der altsprachlichen Züge steht die Fortführung von Latein I auf der Kippe.

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(nochmal Folie 11 – altsprachliche Züge)

Die Messzahlregelungen für die 5. Klasse (28) und die 7. Klasse (30) und die zu treffende Differenzierung Griechisch/Französisch in Klasse 8 (Messzahl 8), für die keine zusätzlichen LWS zugewiesen werden, führen inzwischen an den meisten Standorten zu jährlich wiederkehrenden Diskussionen um die Einrichtung dieses Zuges und seines Griechischangebots.

Das Zustandekommen dieses Zuges ist dort gewährleistet, wo durch strukturelle Begünstigungen, z. B. von Schulträgerseite, ein Fortbestand sichergestellt wird: Theresianum Mainz, Gymnasium Marienstatt, Regino-Gymnasium Prüm. An den anderen Standorten gibt es punktuell, immer mal wieder oder geradezu chronisch Probleme.

Die Sicherung des Fortbestands der altsprachlichen Züge ist somit unverändert eine der großen und virulenten Herausforderungen, auf die ich gegen Ende meiner Ausführungen noch eingehen werde.

4. Lehrkräfte

Im Schuljahr 2015/16 gab es in Rheinland-Pfalz 767 Lehrkräfte mit der Lehrbefähigung Latein und 84 mit der Lehrbefähigung Griechisch. Die Zahl liegt für Latein um 45 und in Griechisch um 14 unter dem Stand von vor zwei Jahren.

Latein gehört schon länger nicht mehr zu den Mangelfächern. Eingeschränkt wird seine grundsätzlich noch gegebene Attraktivität, wenn das Zweitfach zu den im Überangebot befindlichen gehört (z. B. Bereich Gemeinschaftskunde) oder nur an wenigen Schulen unterrichtet wird (Griechisch).

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(Folie 13: Bewerbungen und Einstellungen – Latein)

Die Statistik der letzten 10 Jahre bildet die Entwicklung der Einstellungssituation ganz gut ab: Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber für Latein auf Planstellen und für den Vorbereitungsdienst ist seit der Krisenzeit des Lateinlehrermangels, auf die wir rechtzeitig mit den Weiterbildungslehrgängen von 2005, 2007 und 2009 reagiert hatten, kontinuierlich gestiegen. Sie schafft inzwischen eine gute Auswahlsituation für das Fach, steht aber auch an der Schwelle zum Überangebot. Darauf gilt es insbesondere in der Studienberatung und mit Blick auf die Wahl des zweiten und ggf. dritten Fachs hinzuweisen.

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(Folie 14: Bewerbungen und Einstellungen – Griechisch)

Das trifft allemal auch auf Griechisch zu, das im Pflichtbereich ja nur an den 19 altsprachlichen Gymnasien vertreten ist. Hier gab es schon in der Vergangenheit keinen Mangel auf dem Arbeitsmarkt, sondern allenfalls regionale Verteilungsprobleme, die letztlich in jedem Einzelfall geprüft und gelöst werden mussten.

Der geringe Einstellungsbedarf in Griechisch hat sich nach wie vor nicht auf die Bewerbersituation ausgewirkt; es steht eine mehr als ausreichende Anzahl von Gräzisten bereit, von denen nur Einzelne eingestellt werden können.

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(Folie 15: Altersstruktur der Lehrkräfte 2016)

Vielleicht erinnern sich einige von Ihnen an das Diagramm zur Altersstruktur der Latein-Lehrkräfte, das 2003/04 die anstehenden Probleme der Unterrichtsversorgung erkennen ließ und zur Nachqualifizierung über die Lehrgänge führte. Damals hatten wir – quasi in einer umgekehrten Gaußschen Kurve – eine hohe Zahl von älteren Lehrern ab 60, auf die eine zahlenmäßig schwache Gruppe der 45bis 59-Jährigen folgte, mit Tiefststand im Altersbereich 50-54. Das hieß damals, dass für die anlaufende Pensionierungswelle in Latein anders als in den anderen Fächern deutlich zu wenig Nachrücker zur Verfügung standen.

Das aktuelle Diagramm spricht für sich: Bei den Lateinlehrenden liegt die Altersgruppe ab 60 Jahre zahlenmäßig deutlich unter dem Durchschnitt, umgekehrt sind die Lehrkräfte im Alter von 50-54 Jahren im Fach Latein überrepräsentiert. Das heißt, es stehen auch mittelfristig keine Lücken durch Pensionierungen ins Haus.

In den meisten Alterssparten entspricht die Verteilung in Latein dem Durchschnitt aller Fächer. Ein Viertel der Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasium und IGS ist übrigens nicht älter als 35. Sie können an dieser Alterskurve also auch ablesen, dass wir in Rheinland-Pfalz insgesamt über eine vergleichsweise junge Lehrerschaft verfügen.

5. Arbeitsschwerpunkte / Projekte

Im Berichtszeitraum wurden zum einen laufende konzeptionelle Arbeiten zur Weiterentwicklung des altsprachlichen Unterrichts in RP fortgeführt, die ich bereits vor zwei Jahren an dieser Stelle ausführlich vorgestellt habe, als auch neue Initiativen begonnen.

Die aktuellen Arbeitsschwerpunkte konzentrieren sich, kompatibel zu den aus der Schülerzahlentwicklung zu ziehenden Konsequenzen, auf zwei Bereiche, nämlich

a) auf die Stabilisierung des frühen Lateinlernens, besonders mit Blick auf die altsprachlichen Züge, und die Steigerung der Attraktivität des Lateinunterrichts überhaupt, und

b) auf die Unterstützung des Lateinlernens an der IGS und im Bildungsgang Latein IV.

Dem ersten Bereich zuzuordnen sind:

1) das Fortbildungskonzept „Vernetzter Sprachunterricht am Gymnasium“ in Weiterentwicklung des „Latein plus“-Projekts

2) der Arbeitskreis „Arbeitsformen und Leistungsmessung im Lateinunterricht“ als Initiative des DAV Rheinland-Pfalz in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium

3) die Fachtagung „Perspektiven für den Lateinunterricht“ Ende 2017 in Mainz als Fortsetzung eines bundesweiten, auch deutschsprachige Nachbarländer und -regionen einbeziehenden Diskurses

Dem zweiten Bereich zuzuordnen sind:

1) die Edition der Handreichung zum Bildungsgang Latein IV

2) der neue Landeswettbewerb Latein IV im Rahmen des Certamen Rheno-Palatinum

3) das Schulprojekt „Fachleistungsdifferenzierung Latein an der IGS“

Zur Handreichung Latein IV und zum vernetzten Sprachunterricht werde ich im Kontext „Publikationen“ sprechen, zum Landeswettbewerb Latein IV im CRP im Kontext „Wettbewerbe“. Zu den übrigen Arbeitsschwerpunkten nun in Kürze.

Arbeitsformen und Leistungsmessung 

Drängende Rückmeldungen aus den Schulen, dass die Schülerinnen und Schüler die im Lehrplan Latein für die Sekundarstufe I festgelegten Kompetenzen, auch hinsichtlich des Latinumsstandards, auf breiter Ebene nicht mehr erreichten, führten zu einer Initiative des DAVVorstands RP, sich mit dem Problem an sich und denkbaren Lösungswegen zu beschäftigen.

Der Arbeitskreis hat sich, auch in Zusammenarbeit mit den Fachleiterinnen und Fachleitern, mit überregional diskutierten Lösungsansätzen auseinandergesetzt und ist gegenwärtig damit beschäftigt, auf der Basis eigener Erfahrungen einen Pool von Aufgabenformaten zu erstellen, die sich an den im Lehrplan aufgeführten Kompetenzen orientieren. Fragen der Bewertung und ein Korrekturschlüssel stehen auf der nächsten Tagesordnung. Dabei geht es nicht um zentrale Vorgaben, sondern um die Bereitstellung und Erprobung von Orientierungshilfen im Sinne von „best practice“.

In diesem Arbeitskreis unter Vorsitz von Prof. Tamara Choitz wirken Dr. Sylvia Fein (Studienseminar Bad Kreuznach), Hartmut Loos und die Regionalen Fachberaterinnen und Fachberater mit.

Fachtagung „Perspektiven für den Lateinunterricht“ 

Die beschriebenen Probleme im größeren Kontext, die Hinterfragung zentraler Vorgaben wie der EPA Latein, die Einbindung heterogener Schülergruppen über die klassische Gymnasialklientel hinaus – als Herausforderung und Chance –, diese und noch andere Fragen veranlassten meinen früheren Kollegen im sächsischen Kultusministerium, Dr. Matthias Korn, zwei Fachtagungen mit Teilnehmenden aus allen Bundesländern, Österreich und Südtirol auszurichten, die 2013 und 2015 jeweils am Jahresende in Dresden stattfanden und deren Ergebnisse im anschließenden Frühjahr auf den DAV-Kongressen in Innsbruck und Berlin vorgestellt wurden.

Den Erfahrungsaustausch unter den Ländern auf diesem Forum hielten die Beteiligten bei aller Verschiedenheit der Standpunkte für eminent wichtig. Daher bereiten wir eine dritte Fachtagung für Ende 2017 in Mainz vor; sie wird ausgerichtet vom Bildungsministerium RheinlandPfalz. Im Organisationsteam wirken aus RP Prof. Tamara Choitz und Roland Frölich mit, ferner wie bisher Prof. Stefan Kipf aus Berlin, Dr. Matthias Korn aus Leipzig, Dr. Michael Lobe aus Bamberg, Ingvelde Scholz aus Stuttgart und erstmals meine Kollegin von der Bezirksregierung Arnsberg (NRW) Annette Meyer.

Fachleistungsdifferenzierung Latein an der IGS 

Für die IGS sieht die Übergreifende Schulordnung in § 26 Abs. 3 die Möglichkeit vor, die zweite Fremdsprache in den Klassenstufen 8 bis 10 im Zuge der sog. Fachleistungsdifferenzierung auch auf einer mittleren Leistungsebene zu unterrichten. Von dieser Option wird in Französisch zum Teil Gebrauch gemacht, für das gymnasiale Fach Latein wurde die Umsetzung bisher ausgesetzt.

Um die bestehenden Latein II-Angebote an der IGS zu stabilisieren, das Wahlpflichtfach Latein für weitere Standorte attraktiv zu machen und die Latein IV-Kurse zu entlasten, soll im kommenden Schuljahr erstmals eine Fachleistungsdifferenzierung Latein im Rahmen eines Schulprojekts erprobt werden. Teilnehmen werden voraussichtlich die IGS Hamm/Sieg, die IGS Mutterstadt und die IGS Rockenhausen, ggf. auch weitere Schulen. Zurzeit ist eine Arbeitsgruppe beauftragt, eine Unterrichtskonzeption für das mittlere Leistungsniveau in Latein zu entwickeln. Der Latinumsstandard wird über das mittlere Leistungsniveau nicht erreicht, wohl aber die Belegverpflichtung 2. Pflichtfremdsprache erfüllt.

Zu dieser Arbeitsgruppe gehören Kim Barkowski (Albert-SchweitzerGymnasium Kaiserslautern, Dr. Cathrin Boerckel (IGS Georg Forster Wörrstadt), Georg Ehrmann, Diana Hedwig (IGS Hamm/Sieg), Dr. Franziska Küenzlen (Studienseminar Speyer), Hans-Joachim Pütz (IGS Rockenhausen) und Knut Reinartz (Gymnasium Nieder-Olm).

6. Rechtsgrundlagen / Publikationen

Jetzt wie immer der Überblick über die wichtigsten Rechtsgrundlagen für die Alten Sprachen.

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(Folien 16-19: Rechtsgrundlagen)

Sie sehen an dieser Übersicht, dass die rechtlichen Vorgaben für Latein und Griechisch im letzten Jahrzehnt gut aufgearbeitet wurden; bis auf die Oberstufenlehrpläne von 1998 stammen alle aus dem Zeitraum 20052016.

Die wesentlichen Rechtsgrundlagen finden Sie auf der Homepage der Gymnasialabteilung des Ministeriums für Bildung unter www.gymnasium.bildung-rp.de.

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(Folie 20: Handreichung Latein IV)

Handreichung zu Latein IV 

Die lange vorbereitete Neufassung der „Empfehlungen zum Bildungsgang Latein IV“ startete mit der Fortbildungsveranstaltung für Lehrkräfte der Gymnasien, IGS, Kollegs und Abendgymnasien am 24./25. November 2014 in Speyer. Ihre Ergebnisse wurden unter Einbeziehung der abgefragten Daten und Erfahrungswerte aus den Schulen von einem Redaktionsteam aufbereitet, dem Dr. Cathrin Boerckel, Frank Fischelmanns (Nikolaus-von Kues-Gymnasium Bernkastel-Kues), Hans-Joachim Pütz, Simon Scheuba (IGS Gerhard Ertl Sprendlingen) und Michael Steppling (Staatl. Koblenz-Kolleg und -Abendgymnasium) angehörten.

Für die Handreichung, die die bisherigen „Empfehlungen“ ersetzt, ist Druckauftrag erteilt worden, der Versand erfolgt noch in diesem Monat. Sie ist durch eine vorausgegangene hervorragende Teamarbeit wesentlich aufwändiger gestaltet als ihr Vorläufer und wird sich hoffentlich als praxisnahe Orientierungshilfe bewähren.

In der gemeinsamen Arbeit und durch den Impuls der Speyerer Tagung sind regionale Vernetzungen initiiert worden, die wir weiter stärken wollen. Der Herausgabe der Handreichung sollen dezentrale Fortbildungsangebote zu ihrer praktischen Anwendung folgen.

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(Folie 21: Handreichungen Latein plus)

Zum Schulprojekt „Latein plus“ sind bisher drei Handreichungen erschienen: 2006, 2008 und 2013. Diese Reihe wird nun abgeschlossen mit der Edition eines 4. Bands.

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(Folie 22: Fortbildungsreihe)

Vernetzter Sprachunterricht 

Vor zwei Jahren hatte ich Ihnen die Fortbildungsreihe „Ansätze eines vernetzten Sprachunterrichts am Gymnasium“ vorgestellt, die wir in vier Veranstaltungen von Oktober 2012 bis Juni 2014 mit dem Pädagogischen Landesinstitut durchgeführt haben.

Die Herausgabe des angekündigten Bands 4 der Handreichungen zu

„Latein plus“ befindet sich in der Endredaktion. Er enthält eine Auswahl der wichtigsten Beiträge aus allen Modulen der Fortbildungsreihe und wird voraussichtlich im Frühjahr 2017 erscheinen und an alle Gymnasien und IGS versandt werden. Zu danken ist meinen Mitherausgebern Sabine Paffenholz (PL Koblenz) und Dr. Michael Frings (Gutenberg-Gymnasium Mainz).

Die Ergebnisse der Fortbildungsreihe werden erstmals zusätzlich in einer Fachzeitschrift zur Didaktik des Französischen herausgegeben. Während wir das Cover für unsere Handreichung noch entwerfen müssen, steht jenes für die Parallelveröffentlichung bereits fest.

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(Folie 23: FDD)

Noch einmal zum Inhaltlichen: Das Konzept der Fortbildungsreihe verbindet alte und moderne Fremdsprachen und wirkt auf ein gemeinsames Eintreten für den Erhalt des schuleigenen Sprachenprofils in der Öffentlichkeit hin. Es dient besonders der Stabilisierung der dritten Fremdsprachen, damit auch des Griechischen und des altsprachlichen Zuges.

Die Veranstaltungen sollten also Anstoß dazu sein, sich im eigenen Verantwortungsbereich weiter mit der zugrunde liegenden Konzeption zu beschäftigen. Ich freue mich außerordentlich, dass wir am 13. Dezember 2016 erstmals eine von zwei Gymnasien ausgerichtete Fortbildung dazu anbieten können. Christine Röder und Martin Müller vom Gymnasium am Kaiserdom Speyer haben diese ihre Initiative heute Morgen vorgestellt; als zweite Schule ist das Regino-Gymnasium Prüm beteiligt.


7. Wettbewerbe

Lassen Sie mich mit Blick auf die fortgeschrittene Zeit zu den Wettbewerben nur kurz anmerken: Sowohl die Sparte Latein und Altgriechisch im Bundeswettbewerb Fremdsprachen als auch der Landeswettbewerb Alte Sprachen / Certamen Rheno-Palatinum erfreuen sich großer Beliebtheit.

Im Bundeswettbewerb Fremdsprachen hat es durch einen entsprechenden Vorstoß der Länder eine Korrektur des Konzepts gegeben, die bereits für die laufende Runde gilt: Danach können Lerngruppen der Klassenstufe 10 wieder im Gruppenwettbewerb TEAM SCHULE teilnehmen; einzelne Schülerinnen und Schüler können ab sofort wählen, ob sie mit einer Fremdsprache im Format SOLO oder mit zwei Fremdsprachen bei SOLO PLUS mitmachen wollen.

Die diesjährigen Preisfeiern auf Landesebene am Friedrich-Spee-Gymnasium Trier für den Bundeswettbewerb und in Bad Sobernheim für das Certamen waren wieder beeindruckende Festveranstaltungen, die das Potenzial unserer Schülerinnen und Schüler in den Alten Sprachen überzeugend dokumentierten.

Die Wettbewerbsteams unter den Landeswettbewerbsleitern Jochen Müller vom Gymnasium Nieder-Olm und Dr. Hartmut Wilms vom Emanuel-Felke-Gymnasium Bad Sobernheim leisten hervorragende Arbeit. Darüber wird später noch berichtet werden.

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(Folie 24: Wettbewerb Latein IV)

Landeswettbewerb Latein IV 

Am Rande unserer Arbeit an der Herausgabe der Handreichung zu Latein IV entstanden Überlegungen, ein Wettbewerbsformat für Schülerinnen und Schüler zu schaffen, die in der Oberstufe mit dem Lateinunterricht beginnen. Dieses sollte an das Certamen Rheno-Palatinum angebunden werden, womit sich der DAV RP als Mitträger und besonders der Wettbewerbsleiter Dr. Wilms sofort einverstanden erklärten. Nach intensiver Vorbereitung haben wir nach den Sommerferien den 1. Landeswettbewerb für Latein IV im Rahmen des Certamen Rheno-Palatinum ausgeschrieben.

Der neue Wettbewerb richtet sich an die Schülerinnen und Schüler, die im Schuljahr 2016/17 an einem G 9-Gymnasium oder einer Integrierten Gesamtschule in der Jahrgangsstufe 13, einem G 8-Gymnasium in der Jahrgangsstufe 12 oder an einem Kolleg oder Abendgymnasium im dritten Halbjahr der Qualifikationsphase (Q3) einen Lateinunterricht im dritten Lernjahr besuchen. Die Teilnehmenden erwartet eine Klausur, die aus einem Übersetzungstext und einem thematisch verwandten Interpretationsteil mit jährlich wechselndem Thema besteht, auf das man sich über eine Leseliste vorbereiten kann. 2017 lautet das Thema „Bildung und Integration“.

Die Initiative kam von Dr. Cathrin Boerckel und Hans-Joachim Pütz, der auch zum Landeskoordinator berufen wurde. Mit ihnen haben Susanne Hohrein (Gutenberg-Gymnasium Mainz), Vanessa Kümhof (IGS Rockenhausen) und Simon Scheuba an der intensiven Vorbereitung mitgewirkt. Wertvolle Hilfen kamen von Dr. Wilms. Wir alle hoffen, dass dieses Pilotprojekt im Wettbewerbsbereich gut angenommen wird und eine zusätzliche Motivation in seine Zielgruppe trägt.

8. Ausblick

Ich komme nun zum Ende meines Berichts und habe mir vorgenommen, dass er nicht mehr Zeit füllt als vor zwei Jahren. Daher fällt der „Ausblick“ diesmal deutlich kürzer aus, zumal die damals angesprochenen drei Herausforderungen weiter auf der Agenda stehen:

nach außen das intensive Bemühen um die Attraktivität des frühen Lateinlernens und das gemeinsame Werben nicht nur der Fachlehrkräfte, sondern des Kollegiums und der Schulgemeinschaft insgesamt für ein Sprachenprofil, in dem Latein und, je nach Standort, auch Griechisch ihren festen Platz haben;

nach innen die Prüfung neuer Formen der Leistungsmessung und -bewertung und die Erprobung innovativer und differenzierter Aufgabenformate – mit aller gebotenen Vorsicht. Die Reihenfolge der Schritte kann nur sein, dass zunächst überzeugende und mehrheitsfähige Konzepte entwickelt, danach diese erprobt und zuletzt rechtliche Maßgaben wo nötig angepasst werden. Wir stehen dazu mehr als früher in einem überregionalen Erfahrungsaustausch; denn auch andere Bundesländer sind in diesem Bereich unterwegs.

schließlich ein Nachdenken über das Erreichen von Kompetenzen und Standards, das auch mal über das Latinum hinwegdenkt. An der Latinumsvoraussetzung für bestimmte Studiengänge hat sich in RheinlandPfalz bisher nichts geändert, und das ist auch gut so. Wir müssen aber noch mehr auf Schülerzielgruppen zugehen, die weniger auf den mit einem engen Zeitund ggf. Prüfungsrahmen verbundenen Latinumserwerb aus sind. Für den Bereich der IGS sollten wir versuchen, dort bestehende Optionen der Differenzierung zu nutzen und auch für Latein aufzubereiten.

Meine Damen und Herren, vielleicht ziehen Sie für sich nach allem die Bilanz, dass die Entwicklung im Lateinund Griechischunterricht eher alarmierend ist und dass wir von der Lösung erkannter Probleme noch weit entfernt sind.

Ich will Ihnen da nicht widersprechen. Aber dass wir daran arbeiten, konnte ich Ihnen, so hoffe ich jedenfalls, vermitteln.

An dieser Stelle möchte ich wiederum dem Personenkreis danken, der qua functione besonders oft von mir in Anspruch genommen wird: den Regionalen Fachberaterinnen und Fachberatern Dr. Susanne Gippert und Michael Pahlke für Koblenz, Wolfgang Hofmann und Knut Reinartz für Neustadt und Peter Michels für Trier, alle für Latein, sowie Prof. Dr. Tamara Choitz landesweit für Griechisch. Sie werden übrigens am 10./11. November ihren Auftrag in der Abiturauswahlkommission wahrnehmen, unterstützt in beiden Sprachen von Jürgen Neutzling aus Speyer und – in Vertretung für Herrn Michels – durch Josef Frisch aus Trier.

Ich habe im Verlauf meiner Ausführungen viele Namen genannt, und das ganz bewusst. Sie ließen sich noch durch weitere ergänzen, die in die Abfragen aus den Schulen und in die Vorbereitungen von Fortbildungen, in die Jury-Arbeit für unsere Wettbewerbe, in Gremiensitzungen und Veranstaltungsplanungen einbezogen waren. Ihnen allen gilt mein herzlicher Dank. Wir sind als Team in Rheinland-Pfalz gut aufgestellt.

In der zentralen Koordination pflegen wir den Dialog mit den Fachkollegien und versuchen Orientierungen und Impulse zu geben und auch – was immer wichtiger wird – die Bildung regionaler Netzwerke anzuregen. Die zielführendste Motivationsleistung für unsere Fächer geschieht aber immer vor Ort, in aller Besonderheit und Verschiedenheit.

Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihr fachliches und pädagogisches Engagement und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit Ihnen.